...selber schuld, wenn Sie mir schreiben!
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Die offizielle Homepage von Henryk M. Broder

Fremde Federn

Kennen Sie Kaplan?

Dr. Mabuse trifft Rumpelstilzchen…

Wer sich in unserer menschlichem Leid gegenüber erstaunlich gleichgültigen Gesellschaft öffentlichkeitswirksam für Tiere einsetzt, kann sich automatisch im Recht fühlen und dazu noch sehr edel. Das lenkt manchmal von persönlichen Problemen ab, in einigen Fällen gar von der Unfähigkeit mit dem eigenen Leben fertig zu werden. Wobei das allein noch nicht unbedingt schlecht ist — so lange das, was in diesem Zusammenhang als Tierschutz bezeichnet wird, diese Funktion auch tatsächlich erfüllt, und sei es meinetwegen als bloßer Kollateralnutzen der Selbstinszenierung als Bessermensch.

Wer aber den Schritt weitergeht und den klassischen, mit lästiger Arbeit verbundenen, sowie wenigstens elementare Sachkenntnis erfordernden Tierschutz im Austausch gegen den nur mit Schlagworten und rein virtuell geführten »Kampf für das Tierrecht« (vornehm latinisiert: »Antispeziesismus«) hinter sich lässt, kann diese mediale Selbsterhöhung in ungleich größerem Ausmaß genießen — umso mehr als sich die Viecher praktischerweise nicht gegen eine bestimmte Art von »Freunden« wehren können.

Hat man sich erst mit einigen forciert »schockierenden« Sprüchen — deren Wahrheitsgehalt um so unwichtiger ist je extremer sie formuliert sind — sowie derben Anfeindungen gegen möglichst breite und im Idealfall völlig unbeteiligte Bevölkerungskreise als unversöhnlicher Kämpfer für die »gute Sache« positioniert, genügt es fürderhin nur noch ab und an etwas Schaum zu schlagen — und schon fällt keiner Sau auf, dass die aufgewandte Energie, vor allem aber der konkrete Nutzen für Tiere gleich Null sind. Letzteres schon allein wegen der simplen, freilich nur einer Minderheit bewussten Tatsache, dass Tierrechtlerei mit Tierschutz als solchem nicht das Geringste zu tun hat, ja ihm in essentiellen Fragen widerspricht.

Wozu Pseudo-Intellektualismus fähig ist, wenn die Welt sich weigert so zu sein wie man sie haben möchte und der Hausapotheke die Psychopharmaka ausgehen, kann man in den Schriften des selbst ernannten »Tierrechts-Philosophen« und »Vordenkers« der deutschsprachigen Tierrechts-Szene, dem Österreicher Dr. phil. Helmut F. Kaplan, nachlesen. HFK, wie ihn seine teils pubertierenden, teils offenbar die Internet-Anschlüsse diverser »Geschlossener« nutzenden Devotees nennen, hat nicht nur mehrere Bücher geschrieben die niemand lesen will, sondern auch das nicht zu unterschätzende Kunststück fertig gebracht, als gut bezahlter »Ethik-Berater« aus mehreren großen Tierrechts-Klitschen geschasst zu werden. Zwar hatten jene Vereine ausnahmslos wiederholt schon mit in der Szene üblichen, vollkommen bescheuerten Aktionen und Statements dem Tatbestand des weltfremden Fanatismus völlig neue Dimensionen erschlossen, waren aber dennoch — nach anfänglicher Begeisterung für den akademischen Titel des Salzburger Menschenfeindes — nicht bereit, sich auf ein längeres Arbeitsverhältnis einzulassen.

War es etwa so, dass die Kaplanschen Sottisen selbst das unter Tierrechtlern doch beachtliche Maß an Absurdität sprengten und somit den beabsichtigten Aufstieg weg vom Image des abgehobenen Spinner-Trips hin zum diskussionswürdigen Mainstream-Trend torpediert hätten? Wohl möglich; vielleicht hatte man es auch ganz einfach satt, sich von feixenden Kritikern vorhalten zu lassen, dass das mühsam von Drückerkolonnen bei alten Omas für den »Tierschutz« geschnorrte Spendengeld in den Taschen eines für normale Tierschützer nur Verachtung empfindenden Misanthropen landet.

Aber egal wie es letzten Endes war: Jedenfalls ist der so schnöde um Amt und Würden Gebrachte heuer genötigt, auf einer eigenen Homepage um finanzielle Unterstützung zu betteln und nebenbei mit seinem unsäglichen Schmarrn jede Menge Webspace zu verhunzen. Neidlos muss man anerkennen, dass es Kaplan dabei gelingt, seine treue Schar urbaner, die Welt anscheinend nur zwischen PC-Schirm und veganer Volxküche erlebender Sanyassin mit der seltsamen Überzeugung zu impfen, dass man Tieren hilft, indem man den Holocaust als Slapstick-Nummer verbrät, bzw. mit gefurchter Stirn darüber nachsinnt, was nach der veganen Machtübernahme mit (grundsätzlich als »Mörder« bezeichneten) Metzgern, Jägern, Fischern oder Fleisch kaufenden Hausfrauen so alles angestellt werden könnte.

Nach all den Verrückten, die das Thema Tierschutz schon mal als probate Masche zur jeden Kritiker abschmetternden Selbstdarstellung entdeckt haben — vor gut 70 Jahren die Nazis ebenso wie heutzutage auf den boomenden Psychomarkt drängende Sekten — hat also nun ein fleisch- und bartgewordener Auswuchs unserer zusehends gaga werdenden »Anything-goes«-Gesellschaft sich des Faszinosums Tier angenommen. Und weil das Ganze ehrfurchtgebietend-unverschämt zur »Philosophie« schöngeredet wird, traut sich niemand so recht die beim Lesen automatisch auf die Zunge drängenden Kraftausdrücke raus zu lassen.

»KZ in Bayern«, »KZ in Salzburg«, »Wenn es um Tiere geht, wird jeder zum Nazi« — so einige Titel der Brandbriefe aus Kaplans »Kompendium«, in dem der Leser Menschenhass, Größenwahn, händeringendes Herbeiflehen einer totalitären Gesellschaft, sowie die geistige Unbedarftheit eines Fix & Foxi-Comics traut vereint findet.

Dabei könnte man diesen stets mit wütend geblähten Nüstern einher schreitenden Tropf beinahe bemitleiden, ist die Welt für ihn doch ein einziges Panoptikum des Schreckens, erfüllt von omnipräsenter, atemberaubender, revoltierender Gewalt. Das Recht auf Leben, Unversehrtheit und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit, das ihm zufolge zwingend für alles und jedes Lebendige — vom Planktonteilchen bis zum Elefanten — gelten muss, sieht er all und überall vergewaltigt, ja geradezu verhöhnt. Die evidente, jedem Lebewesen dieses Planeten instinktiv mitgegebene Einsicht, dass die Natur und die Evolution — allein schon durch die Erfindung des physischen Todes und die Einführung der Nahrungskette — ausschließlich auf Kosten dieses Rechtes funktionieren, hat sich ihm erstaunlicherweise nie erschlossen.

Für Kaplan ist das Leben daher ein nicht enden wollender Skandal und unser blauer Planet ein einziges gigantisches Vernichtungslager. Von normalen Menschen schon aus Respekt vor den Opfern nur mit Bedacht benutzte Begriffe wie »KZ« und »Holocaust« werden mit einer Redundanz und Rücksichtslosigkeit missbraucht, dass einem schwindelt. Überall stolpert er über den Massenmord — in Restaurants, in Konzerten, im Urlaub, ja beim simplen Lustwandeln in der idyllischen Salzburger Gegend. Man gewinnt beim Lesen seiner Räuberpistolen freilich rasch den Eindruck, dass bei Kaplan dieses voller Dramatik geschilderte Taumeln von einem traumatischen Erlebnis zum nächsten nur eine dümmliche Pose darstellt, die ihm wohl auf irgendeine verdrehte, für normale Menschen nicht nachvollziehbare Weise Befriedigung verschafft.

Doch die weinerliche Theatralik kann die ausufernden Gewaltphantasien des frustrierten Realitätsflüchtlings nur sehr mangelhaft verdecken. Denn wie leidenschaftlich gern würde er den Spieß umdrehen und jene von im ausgemachte allumfassende Aggression gegen den flugs als »Täter« entlarvten Hassgegner Homo Sapiens gerichtet sehen, damit die Welt doch endlich am Kaplanschen Wesen, dem hoffnungslos verkorksten, genesen möge.

Kaplans offensichtlichstes Glaubwürdigkeitsproblem liegt vor allem in der klar aus seinen Texten ersichtlichen Tatsache begründet, dass er Tiere überhaupt nicht mag, ja sich noch nicht einmal besonders für sie interessiert. Er benutzt sie lediglich, um seinen kindischen Vernichtungs- und Allmachtsphantasien das Mäntelchen des selbstlosen Engagements umzuhängen.

Dafür aber hasst er Menschen um so mehr — insbesondere jene erdrückende Mehrheit, die sich erfrecht ihr Leben nach weniger depperten Weltanschauungen als den seinigen auszurichten. Wer nicht für ihn ist, ist gegen ihn — wobei letzteres in des Meisters Augen schon jeder sein dürfte, der beim Anblick eines Koteletts nicht sogleich hanebüchene Holocaust-Vergleiche auf den Tisch knallt, dass es noch dem letzten ostdeutschen NPDler die Sprache verschlägt.

Wie bei so ziemlich jedem Soziopathen der neueren Geistesgeschichte resümiert sich auch Kaplans beleidigte Antwort auf den evidenten Misserfolg seiner Philosophie in der ausgelutschten Idee der »neuen Ethik« für die »neue Gesellschaft« mit dem »neuen Menschen«, und somit in der nur einen winzigen logisch erscheinenden Schritt entfernten Forderung nach Abschaffung des »alten Menschen«; dies bei ihm sogar explizit unter Anwendung von Gewalt.

Dieses Hecheln nach Gewalt springt einen förmlich aus jeder Zeile heraus an — transportiert von einer wohl als »heiliger Zorn« konzipierten, theatralischen Attitüde, die jedoch zu keinem Moment so recht überzeugt, da Kaplan bestenfalls über Temperament und Charisma eines Dosenpfirsichs verfügt, und dieses Manko auch nicht dadurch wettmacht, dass er Rumpelstilzchen auf Valium spielt.

Kritiker haben nur hämisches Gemaule oder mal mehr, mal weniger unverblümt formulierte Drohungen zu erwarten, bestenfalls noch den dümmlich-überheblichen Spott des tierrechtlerischen Homo Superior, den ein grausames Schicksal unter die Primaten verschlagen hat. Andersdenkende können per se bloß »Mörder« und Nutznießer der »Mordgesellschaft« sein, die partout nicht einsehen wollen, dass der universellen Gewalt Einhalt geboten werden muss — und zwar am besten mit Gewalt!

Dass solche Absurdität des Denkens nichts mit Philosophie zu tun hat, sondern eher Stoff für einen Monty-Python-Sketch bietet, wird von seiner Klientel mit der ehrlichen Entrüstung gehirngewaschener Sektenanhänger negiert.

Seine vielen Texte erscheinen durch die Bank dermaßen abgedreht und dadaistisch, dass sich einem beim ersten Überlesen der Verdacht eines grandiosen »Internet-Hoax« (auf deutsch etwa: Scherz, Uz, Verarsche) aufdrängt. Man sollte jedoch niemals die Realitätsfremdheit und den Hang zum Grotesken zeitgenössischen Bessermenschentums unterschätzen: Der Mann, seine nölende Hassprosa und seine so schön betroffen machenden Dackelfalten sind echt!

Hier ein paar ausgewählte Kabinett-Stückchen, »HFK at his best« sozusagen:

Wenn wir Berichte über Nazi-Mörder oder Interviews mit Nazi-Mördern sehen oder hören, sollten wir immer daran denken, dass die Verantwortlichen für den Holocaust gegenüber Tieren nach wie vor in Amt und Würden sind. Es muss unser ALLER Ziel sein, dass diese Verbrechen dereinst ebenso verfolgt und verurteilt werden, wie dies heute bei den Nazi-Verbrechen der Fall ist.

Auf dem Salzburger Mönchsberg gibt es eine Wiese, die ich sehr liebe. (…) Auf dieser Wiese grasen im Sommer Rinder und ihre Kinder. (…) KZ auf dem Mönchsberg. KZ in Salzburg. KZ mitten in der Kulturmetropole. KZ ohne Hoffnung auf Befreiung. KZ, von dem niemand etwas wissen will. Und: KZ, das alle als KZ erkennen: Die leuchtenden Marken in den Ohren der Opfer werden vom KZ-Betreiber massiv als Qualitätsgarant beworben.

…. das Entsetzen, das mich überfällt, wenn ich mit dem Zug durch Bayern fahre: Eine wundervolle, traumhaft-schöne Landschaft — aber ich weiß, was dahinter steckt: ein riesiges KZ. Hinter den Mauern der Bauernhöfe befinden sich die bedauernswerten Opfer: angekettet und zu lebenslanger Haft und grauenhaftem Sterben verurteilt. Bewacht werden die Unschuldigen von dumpfen, derben, seelenlosen Bauern, die jeden Sonntag heuchlerisch in die Kirche kriechen.

Es gibt nichts Widerlicheres als ordinäre Fleischfresser in Konzertsaal und Restaurant: Sie heucheln Kultur, um im nächsten Augenblick die Leichen unschuldiger, barbarisch hingemetzelter Tiere zu verschlingen. Sie simulieren Moral, obwohl sie meilenweit unter jedem Kinderschänder und Massenmörder stehen. Während diese nämlich, wenigstens vor sich selbst, zu ihren Schandtaten stehen, mimen jene feine Sitten, wo in Wirklichkeit blanker Terror und obszöner Egoismus wüten. Gegenüber diesen frivolen Kulturschweinen ist jeder Auftragsmörder ein Hort moralischer Integrität.

Was alles erklärt, wieso Kaplans Nepp und Nippes GmbH unserer Gesellschaft »fleischfressender Mörder« gegenüber keinerlei menschliche Gefühle mehr zu hegen braucht. Mitleid mit Andersdenkenden ist weder angebracht noch »ethisch« überhaupt zu rechtfertigen. Dass diese Denkweise — insbesondere kombiniert mit dem im obigen Zitat angedeuteten Zeichnen des Gegners als einer Art »Untermensch« — niemals in einer besseren Gesellschaft münden kann, sondern die Welt lediglich schon einmal bis an die Selektionsrampen von Auschwitz geführt hat, bleibt dem »Ethik-Experten« Kaplan im Käfig seiner pathologisch anmutenden Selbstüberschätzung verborgen:

Nach den verheerenden Bombenanschlägen (Anm.: in Madrid im März 2004) trauern die Menschen um die Opfer und der König spricht seinen Untertanen Mut zu. Mir fällt ein: Spanien ist das Land der Stierkämpfe und der König hat kürzlich mit Jagdfreunden zum Spaß ein paar Tiere erschossen. Sollen wir also Mitleid mit den Spaniern und ihrem König haben? Mit dem König ganz gewiss nicht: Ihm ist mit Sicherheit bewusst, welch unnötiges Leiden er als Jäger laufend verursacht. Und Mitgefühl mit der Bevölkerung? Soferne es sich um Menschen handelt, denen klar ist, was Stierkämpfe bedeuten, auch nicht: (…) Jeder Mörder, der durch eine Bombe umkommt, ist ein Mörder weniger.

Der seit einiger Zeit bei publicitygeilen Tierrechts-Hanseln so auffallend probate Trend, jeglichen Einsatz für Tiere auf das herrlich bequeme weil vollkommen denkbefreite und kaum mit Arbeit verbundene Angeifern von Jägern zu reduzieren, ist zwar nicht auf Kaplans Mist gewachsen, wird dafür aber von ihm zum teuflisch schlauen Schachzug geklont. Ein Verdienst, das die Betreiber jeder deutschsprachigen Antijagd-Internet-Seite schon allein durch ihre konformen Aussagen zum Thema Jagd zu sehr würdigen, um nicht die Schriften des Meisters zu kennen — und ihm im Kampf für seine Gesellschaft des universellen Tierrechts nicht zumindest moralische Unterstützung zu gewähren; in Form von Links auf seine Homepage etwa, oder von Gratis-Werbung für seine bleischwer in den Auslagen liegenden Schmöker.

Kaplans internes Strategie-Papier zur Unterwanderung und schrittweisen Ummodelung unserer »Mördergesellschaft« liest sich freilich so als ob Dr. Mabuse Werke wie LeBon's »Psychologie der Massen« und Sunzi's »Kunst des Krieges« gehäckselt und sich damit einen satten Joint gedreht hätte. Am Unwirklichsten erscheint dabei noch die Vorstellung, dass der Mann sich beim Verfassen dieses Schwachsinns womöglich intelligent vorgekommen sein könnte:

Ich möchte noch einmal betonen, was ich schon öfter formuliert habe: Eine wichtige Strategie ist es, vorrangig solche Praktiken zu bekämpfen, an denen möglichst wenige Menschen persönlich beteiligt sind. Denn hier ist die Chance, möglichst viele Menschen gegen diese Praktik zu mobilisieren, naturgemäß viel größer als bei Praktiken, in die fast alle unmittelbar involviert sind. Die Jagd ist ein gutes Beispiel hierfür: Da nur ein geringer Prozentsatz der Bevölkerung selber zur Jagd geht, kann man gegen die Jagd vergleichsweise viele Menschen aufbringen. Hinzu kommt, dass es im Grunde keinerlei Fach- oder Detailkenntnisse bedarf…

Selbstverständlich aber darf auch bei einem am permanenten Fleischterror seiner Umwelt leidenden Grantler der Fun-Factor nicht völlig wegfallen:

Wenn ich erfahre, dass jemand, der soeben gestorben ist, ein Jäger war, so werde ich von einem tiefen Glücksgefühl übermächtigt. Wenn ich dann auch noch höre, dass der Betreffende vorher leiden musste oder gar bei der Ausübung seines Mord-Hobbys zu Tode kam — wie der Atom-Verbrecher Franz Josef Strauß — so ist mein Vergnügen umso größer.

Bei der Wahl der Methoden zur Umsetzung »seiner« Gesellschaft hat er bereits bewährte, nahtlos in sein Weltbild passende Vorbilder gefunden — und zwar solche die die Binsenweisheit bestätigen, welche da behauptet, dass selbst das strahlendste Grün beim Faulen braun wird:

Hier um die Ecke ist eine Buchhandlung, in der eine ganze Auslage Jagdbüchern gewidmet ist. Solche Auslagen sollten solange eingeschlagen werden, bis sich niemand mehr traut, solche Auslagen zu gestalten.

Klar und deutlich, wie ich meine. Die Geschichte beweist wieder mal, dass österreichische Fanatiker bei allen sonstigen charakterlichen oder intellektuellen Schwächen wenigstens eine verschrobene Art von Ehrlichkeit auf ihrem Konto verbuchen können, indem sie von Anfang an aus ihren haarsträubenden Absichten keinerlei Hehl machen.

Trêve d'humour noir: Wer also naiv genug sein sollte, auf den neuerdings leider auch von bisher seriösen Tierschutzvereinen unter Dampf gehaltenen Antijäger-Zug aufzuspringen, weil er tatsächlich überzeugt ist damit etwas »für die Tiere« zu erreichen, sollte sich bewusst sein, welches Weltbild und gesellschaftliches Ideal er somit möglicherweise unterstützt.

Im Internet bleibt kein Spinner lange allein, heißt es. Kaplans rezente Lobhudeleien (»exzellente Aufklärungsarbeit«) auf die seiner Strategie so schön entsprechende Anti-Jäger-Hetze der einschlägig bekannten Sekte »Universelles Leben« (kurz: UL) scheint dies zu bestätigen. Hier haben sich welche gesucht und endlich gefunden. Das UL möchte das freie Denken abschaffen, Kaplan gleich den Menschen als solchen; das reicht als gemeinsame Basis für den Versuch, die Realität hinweg zu halluzinieren. Und wenn alles gut geht ist vielleicht sogar ein neuer, hoch dotierter Job als »Berater« für den derzeit einkommenslosen Dr. phil. drin.

Kaplans Masche kommt bei einer ganz bestimmten Sorte Mitmenschen ausnehmend gut an; bezeichnenderweise sind dies haargenau jene mümmelnden Dauerquerulanten und autonomen Spinner, die in der Fußgängerzone immer mal wieder mit ebenso unbeachteten wie nutzlosen Aktionen Passanten belästigen, wobei die Themen im Grunde beliebig austauschbar sind — so lange es nur »gegen« etwas geht. Kaplan — man verzeihe mir das für Tierrechtler schockierende Bild — reitet mit Bravour den Gaul verschrobenen Revoluzzertums und des heldenhaften Kampfes einiger weniger Auserwählter gegen eine Welt voll Finsternis. Und welcher arme Geist auf der Suche nach einer Fluchtmöglichkeit aus der deprimierenden Realität eigener Jämmerlichkeit hätte solch einem Köder je widerstehen können…?

Dass aber keine ernstzunehmenden Fachleute — Ökologen, Biologen, Zoologen, Ethiker — des Meisters Argumente auch nur ansatzweise nachvollziehen wollen, sondern ausschließlich Sekten, politisch extreme Randgruppen, gescheiterte Existenzen oder »self-confessing weirdos« wie er selber sich mit jenem angestrengten Kampf »für die Rechte der Tiere« im allgemeinen und neuerdings gegen die Jäger im besonderen in die Wahrnehmung einer zunehmend kritikloseren Öffentlichkeit schleichen möchten, sollte genügen um des Kaisers Blöße zu offenbaren. Tierrechtlerei à la Kaplan ist nichts weiter als eine plumpe Imitation von Intelligenz und ethisch begründetem Engagement; bei näherem Hinsehen entdeckt man darunter sogar die Blaupausen einer im Grunde altbekannten Ideologie, deren moderne Vertreter versuchen, im Zeitalter der »politischen Korrektheit« mit Hilfe einer krankhaften Erhöhung des Tieres ihre grenzenlose Menschenverachtung zu legitimieren.

Von einem »Fleischfresser« und »Kulturschwein«

Copyright © 2005 Von einem Fleischfresser und Kulturschwein
Quelle: http://www.henryk-broder.de/fremde_federn/kaplan.html

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