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Die wichtigsten Irrtümer in der Terrordebatte
von Dirk Maxeiner, Michael Miersch und Matthias Horx (Zukunftsinstitut)
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Die Armen der Welt werden immer ärmer |
Ein weit verbreitetes mediales Gerücht, das sich nun als - unbewusste - Legitimation des Terrors
in vielen Köpfen verfestigt hat. Aber die Wirklichkeit ist weitaus komplexer - und unter dem Strich
positiver. Von den 190 Ländern der Erde galten vor zwanzig Jahren noch mehr als zwei Drittel als
"Entwicklungsregionen mit ungesicherter Nahrungs- und Medizinversorgung". Heute sind es weit weniger
als ein Drittel. Björn Lomborg weist in seinem Buch "The Sceptical Environmentalist" nach, dass der
Hunger auf der Welt sich reduziert hat: 1970 hungerten noch 35 Prozent aller Menschen in den
Entwicklungsländern, 1996 waren es 18 Prozent, die UN erwartet, das die Zahl bis 2010 auf 12 Prozent
fällt. Die Zahl der unterernährten Menschen sinkt seit Jahren nicht nur in relativen sondern auch in
absoluten Zahlen. Allerdings existierten in ca. 20 Ländern der Erde lang andauernde Bürgerkriege und
unstabile, diktatorische Regime, die zu Flüchtlingswellen und großem Elend führen - die Zahl dieser
Krisenländer hat sich in den letzten Jahren nicht verringert.
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Die Terroristen sind eine Stimme der Armen auf dieser Welt |
Für einen Zusammenhang zwischen Armut und Terrorismus gibt es keine historischen oder soziologischen
Belege. Im Gegenteil: Schon die Prototypen des modernen Terrorismus, die russischen Attentäter des
späten 19. Jahrhunderts, waren Bürgersöhne und junge Adlige. Auch die deutsche RAF und ihre Genossen in
Italien, Japan und anderswo kamen weder aus der Arbeiterklasse, noch kannten sie soziales Elend aus
ihrer Umgebung. Bin Laden wuchs in saudischen Millionärskreisen auf, nicht in afghanischen Flüchtlingslagern.
Soziale Motive spielen in der Propaganda islamischer Fundamentalisten kaum eine Rolle. Gottlosigkeit,
Sittenlosigkeit, moralische Verkommenheit, lauten ihre Anklagepunkte gegen den Westen. Die Terroristen
betrachten sich nicht als Noble Robin Hoods, sondern als Kreuzzügler (diesmal in umgekehrter Richtung).
Die Fanatiker ersehnen geradezu eine Existenz in freudloser Armut. Die Taliban haben seit dem Beginn
ihrer Herrschaft in Afghanistan keine einzige Schule und kein einziges Krankenhaus gebaut. Nach dem
Grund dafür gefragt antwortete einer ihrer Vertreter mit einem Gleichnis: Nach einem Flugzeugabsturz
würden sie doch auch keine Schulen für ihre Kinder bauen. Sie würden einfach dasitzen und auf die
Erlösung warten. Das tiefere Ziel des neuen Terrors ist die Erlösung von allem irdischen - und der Tod.
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Internationale Sozialhilfe entzieht dem Terror den Boden |
Es wird häufig der Eindruck erweckt, die beste Hilfe gegen den Terror sei jetzt so eine Art internationale
Sozialhilfe. Doch auch Wohlstand für alle wäre - siehe oben - keine Versicherung gegen Terrorismus. Das
ändert natürlich nichts daran, dass die Ursachen von Hunger und Elend bekämpft werden müssen. Dies funktioniert
aber nicht mit internationaler Umverteilung nach Art eines Welt-Sozialstaates. Die Milliarden der
Entwicklungshilfe sind vergangenen Jahrzehnten fast überall auf der Welt fruchtlos versickert. Nur die
Ausbreitung von Freiheit und Marktwirtschaft kann den armen Ländern zu eigenem Wohlstand verhelfen.
Solidarität mit der dritten Welt heißt heute deshalb, ihre Konkurrenz auf den Märkten zu ertragen. So
sollten wir beispielsweise unsere Grenzen für Agrarprodukte aus armen Ländern endlich öffnen und
protektionistische Zölle abschaffen.
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Globalisierung und die Amerikaner sind schuld am Terror |
Viele linke und "kritische" Intellektuelle haben diesen Zirkelschluss mehr oder minder offen gezogen -
bis hin zur kaum versteckten "Die-Amerikaner-sind-selbst-Schuld"-Behauptung. Aber die Wirklichkeit zeugt
vom Gegenteil: Keimzellen terroristischer Aktivitäten wuchern stets von Ländern aus, in denen Globalisierung
eben nicht funktioniert hat. Abgesehen davon: Die Amerikaner sind nämlich sowieso schuld - egal was sie tun.
Fakt ist, dass sich die USA in den arabischen Ländern seit vielen Jahren immer weniger engagiert. Steigende
Investitionen verzeichnet hingegen die EU, die sich auch humanitär stark in Palästina engagiert hat. Bis auf
wenige Basen ist sowohl das politische als auch militärische Engagement der USA im Nahen Osten nach dem
Geiselbefreiungs-Destaster im Iran gering. Die USA haben auch niemals Kolonien in Nahost unterhalten (Wie
die Franzosen in Algerien). Die Vorstellung aber, das korrupte Regimes, leichte Öldollars und eine
frauenfeindliche Männerkultur selbst einen massiven Anteil an der Armut dieser Länder haben könnte, ist
natürlich nicht so leicht verkraftbar wie die Schuldzuweisung an einen Starken.
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Die gemäßigten islamischen Länder haben nichts mit dem Terror zu tun |
Das Problem mit vielen Regimes in der arabischen Welt ist ihre Verflechtung und Abhängigkeit von
terroristischen oder semiterroristischen Organisationen. So, wie die Saudis dem Großclan Bin Laden
gegenüber gewisse Verpflichtungen haben, kann auch Arafat ohne die Dschihad-Krieger kaum politischen
Bewegungsspielraum erringen. Hier zeigt sich die verhängnisvolle Komplexität der Terrorbekämpfung in den
islamischen Ländern.
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Die westliche Spaßgesellschaft hat den Terroristen nichts entgegenzusetzen |
Der Westen sei schwach und verletzbar, weil ihm die Werte abhanden gekommen sind, beklagen viele Kommentatoren.
Durch die Verlockungen des Individualismus und Hedonismus seien wir zu Naivlingen geworden, zu Riesenbabys,
die sich nicht mehr wehren können. Mit dem denunziatorischen Kampfbegriff "Spaßgesellschaft" gehen Konservative
von links und rechts in Stellung und fordern eine Rückkehr nationaler, religiöser und ideologischer
Verbindlichkeiten. Jetzt - so die Tadler der "Spaßgesellschaft" - sollten wir uns alle wieder hinter Kreuz
und Fahne versammeln, denn nur so könnten wir der terroristischen Internationale die Stirn bieten. Doch auf
so einem Marsch nach Rückwärts tappen wir genau in die Falle der Terroristen und laufen Gefahr, ein Stück
weit wie sie zu werden: Zwangsverpflichtet auf eine Sinn stiftende Weltanschauung für alle.
Doch die Vertreter der Spaßgesellschaft wissen sehr wohl, wo der Spaß aufhört. Die Bewohner von New York
machen es gerade vor. Der glitzernden Big Apple, das Anti-Mekka, ein Mittelpunkt des diesseits, des Dollars
und der lockeren Sitten lässt sich nicht unterkriegen. Millionen von Menschen aus aller Welt werden auch
weiterhin nach USA einwandern - niemand will nach Afghanistan. Auch unpolitisch zu sein, das Recht sein
Leben einfach genießen zu wollen, sind erhabene Menschenrechte. Die Spaßgesellschaft wird sich deshalb nicht
vor dem Terror wegducken. Das ist viel eher von einigen christlichen Kirchenvertretern oder traditionell
Friedensbewegten zu erwarten.
Mehr von Maxeiner & Miersch: www.maxeiner-miersch.de
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