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Die Achse des Guten

Alternativen fürs Kleinwalsertal

Von Renée Zucker

Und hier kommt die gute Nachricht: Bei Wein und Glas gibt’s noch 96er Chateau Margaux für nur 890 Mark. So ein Schnäppchen würden wir doch demnächst gern in Euro zahlen, Herr Walser! (Wir erinnern uns: der Dichter vom Bodensee leidet bei dem Gedanken,
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seinen Wein demnächst nicht mehr in Franc bezahlen zu können!) Andererseits die schlechte Nachricht für deutsche Espressokonsumenten: die Italiener muten uns ganz anderen Illy-Café zu als sie sich selbst gönnen. Diesen Verdacht dürfte insgeheim schon so manchen Italienbesucher nach der Heimkehr beschlichen haben, aber man neigt ja dann doch dazu, den Mangel an Aroma auf fehlendes Ambiente, Savoir Vivre, Dolce Vita, und so weiter zu schieben. Nur die unverdrossenen Kretareisenden haben nie begriffen, dass man so etwas Scheußliches wie Retsina zwar durchaus auf Kreta etwas abgewinnen kann, (weil ein Inselurlaub am Mittelmeer auf den Geisteszustand eines Mitteleuropäers ähnliche Auswirkungen hat wie der Verliebtheitsrausch auf den Südländer – ), aber spätestens beim Griechen in Schöneberg zeigt er sein wahres, geschmackloses Gesicht. Dass der Espresso in Verona, Rom oder Neapel also völlig anders schmeckt als bei unserem Lieblingsitaliener liegt daran, dass der ihn bei seinem Großhändler einkauft, der wiederum nur den Export-Kaffee für Deutschland im Angebot hat. Das würden sich die Franzosen nie bieten lassen! Noch nicht einmal im Elsass. Neulich im Supermarché von Colmar entdeckten wir den gleichen Kaffee wie in Rom! Und selbst in unserem kleinen, armen Espressokännchen gekocht, schmeckte er fast so gut wie aus der Super-Duper-Maschine einer römischen Bar. Ein Mitbringsel aus Frankreich, das dem Souvenir ein völlig neues Gesicht verleiht: echt italienischer Espresso! Und man kann ihn sogar noch in Franc bezahlen! Kleiner Tipp für Herrn Walser zum Schluss: Warum nicht sowieso demnächst alles in der Schweiz einkaufen? Es liegt quasi in Fußnähe; man hält dort garantiert gnadenlos am Franken fest, damit man die Nummernkonten nicht neu durchzählen muss; Franken klingt fast wie Franc, der Chateau Margaux ist sicherlich noch in der Luxusausgabe von 82 zu bekommen und die Grundgebühr ist auch schon drin!

Hier im Nordosten der Republik hat man derweil ganz andere Sorgen. Zumindest die immer zahlreicher werdenden Pollenanfälligen. Mein Homöopath behauptete immer, das seien Menschen, die etwas gegen den Sex der Natur hätten. Peter von Prinz Eisenherz verficht die Theorie, dass die Natur wegen der starken Umweltverschmutzung powert, was das Zeug hält und alles auffährt, was sie zu bieten hat - eben einen Pollen nach dem anderen. Als er neulich in Urlaub fuhr, und vergessen hatte, das Gießen zu organisieren, überraschte ihn seine Pflanze bei der Heimkehr mit extremem Blüten- und Wildwuchs. "So, als hätte sie sich gedacht: Oh Gott, kein Wasser, jetzt schmeiß ich aber mal alles raus, was ich kann!" Eine wunderbare Idee, dass sich die Pflanzen mit Pollenauswurf gegen den Menschen als Verursacher ihrer Atemnot wehren! Das wirft Zweifel am Vegetarismus auf. Dazu ausführlich und vor allem mit Guru Henryk am nächsten Montag.

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