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Ein Freund, ein guter Freund
Von Renée Zucker
Ein Besuch bei Elzbietta in Hamburg, der "Stiefmütterchenstadt", wie sie immer ein wenig abschätzig sagt. "Wenn nicht
all diese wunderbaren Musiker wären", meinte sie nachdenklich, als wir aus ihrem Küchenfenster schauten, " dann wär`s
doch insgesamt ein bisschen zu aufgeräumt hier". Ich persönlich finde zwar die Gegend um den Altonaer Bahnhof nicht
gerade ein Paradebeispiel für blitzblanke Sauberkeit, aber als wir dann später durch Eppendorf flanierten, wo all diese
netten, frischen, wohlhabenden Hamburger leben und arbeiten, da verstand ich meine Freundin."Nicht dass du denkst, ich
hielte mich immer hier auf", entschuldigte sie sich fast, "ich wollte dir nur mal zeigen, dass es viel schönere Geschäfte
gibt als in Berlin", womit sie absolut recht hatte. Aber das ist natürlich nicht alles. Bernd Begemann und Jan Delay
waren schon gut, aber nun sind auch noch Olli Dittrich und seine Pommesbude als Gründe dazugekommen, die für den Stadtwechsel
sprechen. "Und das sind jetzt alles deine Freunde?", fragte ich ein bisschen neidisch. Elzie verzog das Gesicht. "Oder
glaubst du nicht an eine Freundschaft zwischen Männern und Frauen?" fügte ich hastig hinzu. "Du etwa?" fragte sie zurück
und schaute mich kopfschüttelnd an, als sei ich das letzte, naive Provinzputtchen. Ich dachte nach. Eigentlich glaube ich
immer an das Gute. Im Menschen und überall. "Doch doch", nickte ich dann, obwohl sich bei längerem Nachdenken ein paar
Zweifel meldeten, "Doch, Männer können auch Freunde sein". Elzie lächelte mitleidig. "Anderen Männern eventuell, das kann
ich nicht beurteilen. Aber für Frauen doch nur, wenn die Männer ihnen etwas reparieren", schränkte sie dann ein." Wenn
sie ihnen Lautsprecher ins Bad oder Auto installieren, oder es schaffen, dass die Küchenschranktür nicht mehr von selbst
aufgeht, dann glaube ich auch unbedingt an eine Freundschaft zwischen Männern und Frauen." "Wie", fragte ich verblüfft
nach, "und wenn sie handwerklich nicht begabt sind, kommen sie als Freunde nicht in Frage? Vielleicht haben sie andere
Qualitäten..." "Wenn sie die haben, ist es gut. Dann lieben und begehren sie die Frauen, machen sie rundum glücklich und
gemeinsam bezahlen sie dann jemanden, der die leidigen Reparaturen erledigt. So ist es okay, aber das ist dann keine
Freundschaft mehr, oder?" Ich stellte fest, dass ich nach drei Monaten ohne meine Freundin ein wenig aus der Dialog-Übung
geraten war. Ich hatte vergessen, wie spitzfindig sie sein konnte. "Und fang mir jetzt bloß nicht mit den Schwulen an",
kommt Elzie meinem letzten Einwand zuvor, "die können vielleicht regierender Bürgermeister von Berlin werden, aber rundum
glücklich macht uns von denen keiner - und handwerklich begabt sind sie sowieso nicht." Guru Henryk gab zu, dass es im
Talmud zwar heißt, der Mann brauche eine Lebensgefährtin, um in ihr das wiederzufinden, was er verloren hat, "aber was
die Frauen brauchen, davon weiß der Talmud nichts", zuckt er ratlos die Schultern. Als wenn wir uns das nicht schon
gedacht hätten.
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