|
|
Witz der Woche
Seit der Schweizer Botschafter in Berlin mit dem Orden wider den
tierischen Ernst ausgezeichnet wurde, wird das Personal für
Ordensverleihungen langsam knapp. Jetzt kommen Kandidaten aus der Etappe
zum Einsatz, die bislang bei AIDS- und UNICEF-Galas rumwirbelten und
hinterher in der Gala und der Bunten befragt wurden, wie viel sie
gespendet hatten. Anfang März wird Sabine Christiansen zum Ritter der
Französischen Ehrenlegion geschlagen. Sie kann einen Dom Perignon von
einem Veuve Clicquot unterscheiden und besucht häufig die
Paris-Bar in der Kantstraße, wo sich die Ritter der frankophilen
Lebensart gerne treffen. Das reicht allemal, um in den 18o2 von Napoleon
gestifteten Club aufgenommen zu werden. Ritter Sabine wird zu der Feier
ihren Knecht Udo mitnehmen, der seit langem darüber wacht, dass ihr kein
Haar gekrümmt wird und dafür demnächst den Grimme-Preis für besondere
Leistungen im Grenzbereich des Machbaren bekommen soll. Vorher aber muss
noch Iris Berben geehrt werden, die seit Jahrzehnten in Schönheit und
Würde alt wird, ohne dass es ihr etwas ausmacht. Sie bekommt den
Leo-Baeck-Preis des Zentralrates der Juden in Deutschland für ihr
"Engagement im christlich-jüdischen und deutsch-israelischen Dialog"
beziehungsweise für ihr "aktives Engagement gegen Rassismus,
Antisemitismus und Neonazismus in der Gegenwart." Leo Baeck war ein
Philosoph und Rabbiner, Vorsitzender der Reichsvertretung der deutschen
Juden nach 1933, Mitglied des Ältestenrates in Theresienstadt, wohin er
1943 deportiert wurde, eine tragische Gestalt der deutsch-jüdischen
Geschichte. Offenbar hat Iris Berben einiges mit dem großen Gelehrten
gemeinsam. Ihr Beitrag zum christlich-jüdischen und deutsch-israelischen
Dialog besteht darin, dass sie seit vielen Jahren mit einem Israeli
zusammen lebt, ihr aktives Engagement gegen Rassismus, Antisemitismus und
Neonazismus kommt darin zum Ausdruck, dass sie jeden Aufruf gegen
Rassismus, Antisemitismus und Neonazismus eigenhändig unterschreibt und
zwischendurch erklärt, sie würde zum Judentum übertreten, wenn die
Existenz Israels gefährdet wäre - eine Drohung, die offenbar bis jetzt
gewirkt und die Araber davon abgehalten hat, Israel von der Landkarte zu
wischen. So viel Engagement zwischen zwei Werbespots für schleimlösende
Hustentabletten und einem Auftritt in der Treptower Arena bei den
Vagina-Monologen muss natürlich belohnt werden. Inoffiziell hört man aus
den Kreisen des Zentralrates, dass die Herren maßlos von jenem Spot für
"Premiere World" angetan waren, in dem Iris Berben mit Slip zu sehen war,
und seitdem nur nach einem Anlass suchten, sie in natura und ganz aus der
Nähe zu erleben. Jetzt geht der Wunsch in Erfüllung. Die Laudatio auf
die große Kämpferin gegen Rassismus, Antisemitismus und Neonazismus
wird wahrscheinlich Michel Friedman halten, wie Iris Berben auch er ein
großer Kämpfer gegen alles, was den einfachen Menschen Spaß macht, und
ebenfalls ein prominentes Mitglied der gesamtdeutschen Bussi- und
Pussy-Gesellschaft, in der sinnlose Umtriebigkeit und Party-Hopping
bereits als Engagement gelten. Jetzt heißt es, die Nerven behalten und
engagiert bleiben. Weitere Kandidaten stehen bereit, Orden und
Auszeichnungen anzunehmen: Wolfgang Joop zum Beispiel wäre ein prima
Anwärter für den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Naddel wartet
nur darauf, von amnesty international gehuldigt zu werden. Und Uschi Glas
würde sich schon über eine Aufmerksamkeit von der deutschen
Vegetarier-Union riesig freuen. Es muss nicht immer ein ganzer Ritter sein. Eine
kleine Ritter-Sport tut es auch.
|