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Mathias Bröckers, Kamikaze-Flieger der taz
Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Während in N.Y. noch mindestens 4.7oo
Menschen vermisst und Leichenteile aus den Trümmern gezogen werden,
meldet sich in der taz Mathias Bröckers zu Wort, um
"verschwörungstheoretische anmerkungen zu einem terroranschlag" zu
verbreiten. Sein Beitrag steht auf der Seite "die wahrheit" und deswegen
von vorneherein im Verdacht, satirisch gemeint zu sein. Das wäre ein
mutiges Vorhaben, denn in diesen Tagen hat es sogar Harald Schmidt die
Sprache verschlagen, er schweigt. Mathias Bröckers aber schweigt nicht.
Und er schreibt keine Satire, er meint es ernst. Er verweist auf
Zusammenhänge und Interessenlagen, die nur einer erkennen kann, der über
ein Wissen verfügt, das ihm einen gewaltigen Erkenntnisvorsprung sichert.
"Während das Pulverfass im Nahen Osten seit einem Jahr zündelt und die
Local Trade Center in Palästina nach und nach von Raketen zerlegt werden,"
räsonniert Brückers, "wundert sich Rockefeller-Mann Bush jetzt, dass
verzweifelte Kamikaze-Krieger zurückschlagen?" Wie tief muss die
Verzweiflung der Kamikaze-Flieger über den Verlust der Local Trade Center
in Palästina sein, dass sie gleich über 2oo Flugpassagiere und einige
Tausend New Yorker mit in den Tod nehmen? Bröckers weiß es, auch er würde
sich gerne als Kamikaze-Kämpfer in ein Hochhaus stürzen, wenn er nicht so
schreckliche Flugangst hätte. Deswegen bleibt er im "Sale e Tabacchi"
sitzen und arbeitet an seinem eigenen Absturz in spekulative Abgründe.
"Als Bush die Nachricht in einer Schule erreicht, bleibt er merkwürdig
ungerührt. Vielleicht, weil die 'Schurken' den verabredeten Zeitpunkt
eingehalten hatten: vor neun Uhr sind im WTC keine wichtigen Banker,
sondern nur das 'Fußvolk' ist anwesend. Ob es tatsächlich ein Motiv für
das Unvorstellbare, eine inszenierte Katastrophe wie in Pearl Harbour
gibt, werden die nächsten Aktionen der Weltordnungsmacht zeigen."
So lange wird man nicht warten müssen, um zu erkennen, dass Mathias Bröckers ein
kranker Kopf ist, dem nicht zu helfen ist, nicht einmal mit dem Verweis,
dass er im globalen Wettbewerb um die originellste Verschwörungstheorie
ziemlich weit vorne liegt, etwa auf Platz drei. Vor ihm laufen nur noch
die Autoren der Protokolle der Weisen von Zion und die Psychos aus dem
Umfeld von David Irving, die fest davon überzeugt sind, dass die Juden den
Holocaust herbeigeführt haben, um hinterher Entschädigung von den
Deutschen kassieren zu können. Es ist schön, dass ein taz-Autor zu dieser
Spitzengruppe gehört. Die politische Paranoia ist eine viel zu ernste
Angelegenheit, als dass man sie den Jungs von der Nationalzeitung und Horst
Mahler überlassen könnte. Brückers wird sich sicher bald mit weiteren
Theorien wieder zu Wort melden. Es sei denn, dass er eines Tages in das
falsche Flugzeug steigt und als Fettfleck an einer Hochhauswand endet.
HMB, Berlin, 14.9.2oo1
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