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Die Achse des Guten

Die Schmockine der Woche

Adrienne Goehler, Fachfrau für Kultur
und phallische Symbole

Spätestens ab 3o ist man und frau für seine bzw. ihre Frisur verantwortlich. Das Vogelnest von Sabine Christiansen, die Seitenspoiler von Franz Müntefering, Die Frau mit der Lehmhütten-Frisur (Klicken zum Vergrößern) der Prinz-Eisenherz-Schnitt von Antje Vollmer und die Westfalen-Welle von Jürgen Möllemann sagen was über deren Träger aus. Bei Adrienne Goehler, der Berliner Übergangs-Senatorin für Kultur und Wissenschaft, ist es eine stilisierte Lehmhütte, die Exotik und Erdverbundenheit signalisieren soll. Dazu passt gut der eine große Ohrring, wie man ihn früher an Frauen gesehen hat, die in Proseminaren über sexuelle Ausdifferenzierung im Spätkapitalismus saßen und häkelten. Adrienne Goehler ist vor kurzem aufgefallen, als sie am 13. September, also zwei Tage nach den Terroranschlägen von N.Y. und Washington, bei einer Diskussion im Berliner "Haus der Kulturen der Welt" erklärte, die Türme des World Center wären u.a. auch "Phallus-Symbole" gewesen. Mit dieser hochsensiblen Bemerkung aus der korrekten vaginalen Perspektive wurde sie anschließend in den Zeitungen zitiert, worauf es im Berliner Abgeordnetenhaus zu einer mittleren Aufregung kam. Sie sollte zurücktreten, forderten einige Politiker, oder sich wenigstens für den makabren Kalauer entschuldigen.

Frau Goehler bestritt nicht, von "Phallus-Symbolen" gesprochen zu haben, nur seien die Worte aus dem Zusammenhang gerissen und falsch interpretiert worden. Könnte ja sein, dachte ich mir, dass sie Recht hat. Wenn sie zum Beispiel gesagt hätte, die Terroristen hätten das WTC nicht als Inbegriff des Kapitalismus treffen wollen, sondern aus Frust über ihre irdische Existenz, die auf Enthaltsamkeit, Versagung und die Hoffnung auf eine Belohnung im Jenseits basiert, dann wäre das auch ein wenig schräg, aber eine Überlegung wert gewesen. Also rief ich im Haus der Kulturen der Welt an und fragte, ob man mir eine Kassette mit dem Mitschnitt der Diskussion leihen könnte, ich würde gerne wissen, was Frau Goehler wirklich gesagt hat. Kein Problem, erfuhr ich, man müsse nur eine Kopie ziehen. Vier Tage später rief ich noch einmal an und hörte, da gäbe es "ein Problem". Eine Mitarbeiterin der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit erklärte mir, man habe bei allen Teilnehmern der Diskussion angefragt, ob sie mit der Herausgabe des Mitschnitts einverstanden seien. Es hätten alle ihr OK gegeben, nur Frau Goehler nicht, sie möchte nicht, dass die Aufnahme rausgegeben wird, da könne man nix machen, ich könnte mich "gerne direkt an Frau Goehler wenden".

Das gefiel mir. Eine öffentliche Veranstaltung, an der Hunderte von Besuchern teilgenommen haben, wird vom Haus der Kulturen der Welt wie eine Sitzung des SED-Politbüros behandelt, man hat zwar einen Mitschnitt, rückt ihn aber nicht heraus, weil ein Teilnehmer der Runde dagegen ist; Frau Goehler, die falsch zitiert wurde, möchte gar nicht richtig zitiert werden, denn dann könnte alles noch schlimmer werden. So leistet das Haus der Kulturen der Welt, das fremde Kulturen nach Berlin bringt, einen Beitrag zur deutschen Leitkultur des Wegschauens und Weghörens, während Frau Goehler ihren Ruf zu retten versucht, indem sie sich in die Hütte zurückzieht, die sie auf dem Kopf trägt.

Eine bemerkenswerte Leistung, die nach Anerkennung schreit. Willkommen im Klub der Schmöcke und Schmöckinnen!

HMB, 7.1o.2oo1

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