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Die Achse des Guten

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Prof. Dr. Erwin Häckel

Experte für Infrastukturmaßnahmen und Umsiedlungen

Sensationeller Plan: Das neue Israel nach Häckel
Sensationeller Plan:
Das neue Israel nach Häckel

Viele Menschen haben ein Hobby. Die einen sitzen zu Hause, sammeln Briefmarken, Bierdeckel oder basteln, die anderen gehen raus, fahren Mountain Bike, Roller Skates oder joggen. Solche, die sich nicht entscheiden können, ob sie daheim bleiben oder draußen was machen sollen, kaufen sich einen Globus und unternehmen virtuelle Weltreisen, heute nach Alaska, morgen in die Karibik. Für solche Abenteurer, die von ihrem Sofa aus operieren, ist der Nahe Osten das ideale Zielgebiet.

Nicht zu weit weg und doch sehr aufregend. Deswegen hat praktisch jeder, der einen Bierkrug von einem Feldstecher unterscheiden kann, eine Meinung zum Nahen Osten, jeder Leitartikler, jeder Leserbriefschreiber und jeder Lehrer.

Zum Beispiel Prof. Dr., Erwin Häckel, Privatdozent an der Fakultät für Verwaltungswissenschaft an der Uni Konstanz. Er veröffentlichte vor kurzem in der FAZ einen sensationellen Plan zur Lösung des Nahostkonflikts. Nachdem »auch Bush und Scharon« es nicht geschafft haben, »einen Ausweg aus dem scheinbar unlösbaren Palästina-Dilemma zu finden«, verspricht nun der Verwaltungsexperte aus dem subtropischen Konstanz nicht weniger als die Quadratur des nahöstlichen Kreises:

»Der Weg eines lebensfähigen, zusammenhängenden, souveränen und unabhängigen Palästinenserstaates führt über eine Neugründung des Judenstaates«. Dazu müsste man nur »Israels physische Gestalt als Fehlkonstruktion erkennen und zur Disposition stellen« und sich vom »Fetisch der territorialen Integrität« lösen. Statt das Gebiet zwischen dem Mittelmeer und dem Jordan in Ost und West zu teilen, »wie es seit 57 Jahren vergeblich versucht wird«, sollte man es in Nord und Süd teilen, was viel einfacher wäre. »Dazu muss nur der israelische Negev gegen das arabische Samaria getauscht werden.« Das ist nun keine vage Idee, keine Saalwette bei »Wetten, dass...«, der Professor meint es ernst, und er hat schon einen detaillierten Plan ausgearbeitet.

Im Negev (14.ooo Quadratkilometer) leben eine Million Israelis, einschließlich 1oo.ooo »ehemalige Beduinen«. In Samaria (4.ooo Quadratkilometer) leben 1,2 Millionen Palästinenser und 2oo.ooo israelische Siedler. Würde man nun »Land gegen Land« tauschen (eine Variation der alten Parole von »Land gegen Frieden«), bekäme Israel Samaria und die Palästinenser bekämen den Negev, der »weder ein natürlicher noch ein ein gottgewollter Teil Israels« ist. Eilat als Hafen und Zugang zum Roten Meer sei nicht wichtig, für die Ölversorgung »genügen zwei Supertanker, die zwischen Haifa und Südeuropa pendeln«. Dafür gäbe es im Negev genug Platz nicht nur für die 1.2 Millionen Palästinenser aus Samaria, sondern auch »für alle rückkehrwilligen Flüchtlinge«, etwa zwei Millionen Palästinenser. Die »umzusiedelnde Bevölkerung auf beiden Seiten«, schreibt der Professor, sei also »ungefähr gleich groß«, praktisch würde nur »die vorhandene Infrastruktur den Besitzer« wechseln.

Häckel hat auch schon ausgerechnet, was der ganze Plan kosten würde: 42 Milliarden Dollar Beihilfen »für 2,1 Millionen Umsiedler« und mit allen Neben- und Folgekosten (für Meerwasserentsalzung etc.) rund 125 Milliarden Dollar, was nicht so viel ist, wie es sich anhört, nämlich nur »ein Zehntel dessen, was Deutschland in den letzten fünfzehn Jahren in seinen Osten investiert hat«, ein richtiges Schnäppchen also. Das Geld sollte zu gleichen Teilen von den USA, der EU und den Ölstaaten am Persischen Golf angewiesen werden, wobei »die Verwendung der Mittel überwacht werden« muss, »damit sie nicht in dunklen Kanälen versickern«.

Ein sensationeller Plan! Und so genial einfach! Die Palästinenser aus Nablus wollten schon immer am Golf von Akaba zwischen den Korallenriffen schnorcheln, und die Israelis aus Eilat sehnten sich nach der klaren Bergluft Samarias. Nur zwei Punkte bleiben unerörtert: Ob die »Umsiedler« überhaupt umgesiedelt werden wollen und was mit Judäa, dem südlichen Teil der besetzten Westbank, passieren soll. Wer soll es bekommen? Vielleicht die Fakultät für Verwaltungswissenschaft an der Uni Konstanz, damit Professor Dr. Erwin Häckel die Durchführung und Umsetzung seines Plans vor Ort überwachen kann?

Nun ist Häckel aber nicht nur Prof in Konstanz, er ist auch »wissenschaftlicher Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik«, einer NGO, die vom Auswärtigen Amt kräftig unterstützt wird. Es ist kaum anzunehmen, dass er ein solches Szenario ohne Zustimmung der Gesellschaft und des AA ins Gespräch bringen würde. Denn die Sache ist nicht nur sensationell, sie ist auch ein wenig heikel. Es ist noch nicht lange her, da haben deutsche Verwaltungsexperten Umsiedlungspläne im großen Maßstab erarbeitet, ein paar Millionen Volksdeutsche heim ins Reich geholt, ein paar Millionen volksfremde Elemente in den Osten befördert, den Warthegau, die Bukowina, das Hutschiner Ländchen und die Gegend hinter den Karawanken neu besiedelt, kurzum: ordentlich aufgeräumt. Dass die neue Ordnung nicht lange gehalten hat, lag nicht an den Verwaltungsexperten, sondern an den Politikern und den Militärs. Und nun, da die Politiker und die Militärs nicht mehr weiter wissen, sind wieder die Verwaltungsexperten an der Reihe. Vorneweg Erwin Häckel, Professor, Doktor, Privatdozent und Schmock der Woche.

Henryk M. Broder, Bln, 8.8.2004

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