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Nach dem Gang Bang der Guten Der Schmock der Woche ist ein CDU-MdB aus Fulda, alias Schweinchen Oberschlau
Je länger das Dritte Reich zurück liegt, umso mehr
nimmt der Widerstand gegen die Nazis zu. Er erreicht
seinen alljährlichen Höhepunkt am 9. November, wenn es
darum geht, eine Neuauflage der "Kristallnacht" zu
verhindern. Dieses Jahr wurden gleich zwei Fliegen mit
einer Klappe erwischt. Ein Pogrom fand nicht statt,
statt dessen kam es zu einem "Aufstand der
Anständigen", von denen einige es sich freilich nicht
verkneifen konnten, Hakenkreuzfahnen mitzuführen, auf
denen das beliebte NS-Symbol mit einem
Halteverbotzeichen verfremdet wurde, was so viel wie
"Hier haben Nazis nichts verloren!" bedeuten sollte,
tatsächlich aber nur zeigte, dass auch die
Antifaschisten gerne die Symbole ihrer Gegner
benutzen. Es war die erste Massen-Demo der Berliner
Republik, zu der in volksfrontartiger Eintracht die
Regierung, die Opposition und die staatstragenden
Parteien aufgerufen hatten. Über 2oo.ooo Teilnehmer
auf der Straße demonstrierten gegen
Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus, auf der
Bühne standen die Repräsentanten des Staates und
demonstrierten gegen sich selbst, unter ihnen auch der
bayerische Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, der vor
kurzem erst vor den Gefahren einer "durchrassten
Gesellschaft" gewarnt hatte und nun fröhlich gegen
diejenigen antrat, die sich seine Warnung zu Herzen
genommen hatten - im festen Vertrauen auf das kurze
Gedächtnis der Spaßgesellschaft, die sich im
Zusammenhang mit Jenny Elvers allenfalls noch an
Heiner Lauterbach erinnern kann, aber nicht daran, was
ein amtierender Ministerpräsident mal gesagt hat.
Und weil bei diesem Gang Bang alle mitmachen wollten
und keiner etwas gegen einen anderen sagen wollte,
wurde zum Festredner einer bestimmt, der quasi von
außen, aber doch mit einem Fuß in der Tür den richtigen
Ton finden sollte: betroffen aber nicht böse,
engagiert aber nicht exaltiert, hart aber harmlos:
Paul Spiegel, Präsident des Zentralrates der Juden in
Deutschland. Denn seit den Tagen des Jud' Süß
Oppenheimer finden es deutsche Politiker sehr
praktisch, Juden mit heiklen Aufgaben zu betrauen.
Geht es gut, können sie sagen: "Wir haben es möglich
gemacht", geht es schief, können sie sagen: "Der Jud'
ist es gewesen!"
Es spricht gegen Paul Spiegel, dass er den Job
angenommen, aber es spricht für ihn, dass er sich dem
Auftrag verweigert hat. Seine Rede war mehr als
anständig, statt sich bei den Polit-Fuzzis
anzubiedern, hat er ihnen die Leviten gelesen. Angela
Merkel schaute drein, als hätte ihr Helmut Kohl auf
dem Damen-Klo eine Prise Koks angeboten, ein paar
ihrer Parteifreunde erwischte es noch ärger, vor
Schreck ließen sie die Hosen fallen. "Herr Spiegel
hat polarisiert und das war nicht der Zeck der
Veranstaltung", erklärte der saarländische
Ministerpräsident Peter Müller, dem Michel Friedman
als "Kulturberater" dient.
"Jeder, der so überspitzt formuliert, muss sich fragen,
ob er damit nicht seinen eigenen, berechtigten
Anliegen eher schadet als nutzt", warnte der Chef der
CSU-Landesgruppe im Bundestag, Michael Glos, und
meinte damit nicht etwa Friedrich Merz und dessen
Geschwätz von der "deutschen Leitkultur", sondern
Spiegel und dessen Frage: "Ist es etwa deutsche
Leitkultur, Fremde zu jagen, Synagogen anzuzünden,
Obdachlose zu töten?"
Einer, der Spiegels rhetorische Frage richtig
verstanden hatte, raste gleich vollständig aus, der
CDU-Abgeordnete Martin Hohmann aus Fulda, ein
praktizierender Hinterbänkler, der plötzlich seine
Chance sah, ins Rampenlicht der Geschichte zu treten.
Er gab eigenhändig eine persönliche Erklärung ab
("Spiegels schlimme Entgleisung"), in der er
vorführte, was man in Fulda unter Dialektik versteht.
Spiegels an die CDU gerichtete Unterstellung sei
genauso falsch, wie es falsch wäre, Spiegel zu
unterstellen, "er sei mitverantwortlich, dass beim
letzten Racheakt der israelischen Armee zwei
unschuldige Frauen getötet wurden oder dass ein
12-Jähriger von israelischen Soldaten erschossen
wurde"; zugleich stellte Schweinchen Oberschlau die
Frage in den Raum, ob Spiegel "das Klima zwischen den
Juden und Nicht-Juden in Deutschland nicht nachhaltig
schädige", was natürlich auch keine richtige Frage,
sondern eine Feststellung in abgemilderter Form war.
Nun wäre es sicher falsch, dem Abgeordneten Hohmann
aus Fulda zu unterstellen, er habe den IQ einer leeren
Bierdose oder sei ein Antisemit, dem es nur an Mut
fehle, im Indikativ Klartext zu reden; denn Hohmann,
der seiner Heimatgemeinde 36 119 Neuhof 14 Jahre als
Bürgermeister diente, bevor er 1998 in den Bundestag
gewählt wurde, artikuliert nur, was andere vor sich
hin denken. Kaum sind die Nicht-Juden bereit, den Juden
den Holocaust zu verzeihen, zeigen die Juden, dass sie
nichts aus der Geschichte gelernt haben, indem sie
unschuldige Palästinenser massakrieren und das Klima
zwischen den Juden und Nicht-Juden in Deutschland
verderben.
Was lernt uns das? Vom Hofjuden der Anständigen zum
Saujuden der Antisemiten ist es nur ein kleiner
Schritt. Vom Bürgermeister in der hessischen Provinz
zum Schmock in der Hauptstadt ebenso.
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