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Die Achse des Guten

Das Letzte

»Ich habe schon das Bundesverdienstkreuz!«

henryk m. broder
berlin, 11.7.2oo4

zod münchen
herrn dr. robert guttmann

sehr geehrter herr dr. guttmann,

von einer längeren reise wieder in berlin zurück, habe ich eben erst erfahren, daß sie aus anlaß des 1oo. geburtstages von theodor herzl einen preis an iris berben verliehen haben. das ist eine weise entscheidung, zu der ich sie beglückwünschen möchte, vor allem seit ich weiß, daß es 4 kandidaten für diesen preis gegeben hat und daß ihnen die wahl nicht leicht gefallen ist. mit frau berben können sie nicht falsch liegen. sie hat mal über sich selbst gesagt: »entweder ich sitze in der jury oder ich bekommme einen preis«. bis jetzt waren es der leo baeck preis des zentralrates, der world tolerance award und der bambi für zivil-courage - und alles dafür, daß sie seit 3o jahren in einer heterosexuellen wohngemeinschaft mit einem israeli lebt und leidet.

nun kann frau berben nichts dafür, daß sie immer wieder prämiiert wird.

die personaldecke ist in deutschland auf allen gebieten sehr dünn. wenn ein stasi-spitzel minister werden kann, wenn es unmöglich ist, einen geeigneten bundestrainer zu finden und wenn an die spitze des DFB zwei luschen gewählt werden, weil eine diesen job allein nicht machen kann (und wenn sie, lieber herr doktor guttmann, das erbe von theodor herzl in deutschland verwalten), dann kann auch eine schlichte schönheit wie frau berben für ihr »engagement«, wogegen und wofür auch immer, ausgezeichnet werden. was ich in diesem zusammenhang nur wissen möchte: was machen sie, lieber herr doktor guttmann, sonst noch in diesen unruhigen tagen?

haben sie schon eine erklärung zu dem urteil des IGH zum »sperrwall« abgegeben? haben sie bei der SZ gegen den unglaublichen artikel von yakov rabkin in der ausgabe vom 1o.7. protestiert? haben sie sich bei udo steinbach (deutsches orientinstitut, hamburg) über dessen expertisen beschwert?

haben sie dem intendanten des WDR wegen der am 2.5. im 5. programm gesendeten »ungehaltenen rede des ariel scharon« geschrieben?

haben sie ein wort über die rede des ehemaligen französischen minister-präsidenten michel rocard verloren, der die gründung israels einen »historischen fehler« genannt hat?

oder noch einfacher: haben sie überhaupt eines dieser ereignisse mitbekommen? wenn ja: wie haben sie reagiert? wenn nein: was machen sie und die anderen partypupser von der ZOD den ganzen tag?

iris-berben-filme gucken und ihr beim lösen der kriminalfälle helfen?

oder kreuzworträtsel lösen? (berg mit vier buchstaben? ZION!)

was immer es sein mag: ich wünsche ihnen auch weiterhin alles gute und daß sie bald den grad von unzurechnungsfähigkeit erreichen, der sie für die verleihung eines bundesverdienstkreuzes qualifizieren würde.

mit zionistischem freizeitgruß
ihr h.m. broder

Sehr geehrter Herr Broder,

da ich diese Woche meinen 65. Geburtstag feiere, und nichts spezielles vorhabe, habe ich mich gefragt, welches Geschenk ich doch bekommen werde, woran ich nicht gedacht habe.

Und Ihre mail hat doch das gebracht, was Freude bereitet und wo ich auch meine Erben verpflichten kann sie zu lesen. Sie sind eine sehr bekannte Persönlichkeit und wie gesagt, ich fühle mich geehrt. Ich besitze leider nicht die Fähigkeit Ihnen so spitzfindig zu antworten wie Sie an mich schrieben. Nein, Sie waren nicht auf der Liste. Sie waren kein Kandidat für unsern Preis. Sie kochen Ihr Süppchen seit vielen vielen Jahren und die Leute glauben sogar dass Sie etwas für uns tun. Vielleicht tun Sie es auch. aber davon habe ich bis jetzt wenig gesehen. Ich muss Sie nochmals enttäuschen, ich habe das Bundesverdienstkreuz seit vielen Jahren und andere Auszeichnungen dazu, aber nicht als Präsident der Zionistischen Organisation, da Zionismus nicht ein sehr positiver Begriff in Deutschland oder der ganzen Welt ist. Was tun Sie für Zionismus? Außer dass Sie wahrscheinlich für alle Ihre Auftritte viel Geld bekommen? Wieso können Sie so etwas schreiben bevor Sie den Lebenslauf von Leuten wenigstens recherchieren um zu sehen ob Sie nicht Leute beleidigen. By the way, interessiert Sie das überhaupt? Sind Sie bereit an der Spitze einer Organisation zu stehen wo Sie tagtäglich angefeindet werden, Briefe bekommen, wo es keine grosse Freude ist sie zu lesen und all das weil sie daran glauben dass es richtig ist für Israel etwas zu tun und das nicht verstecken, sondern offen und ehrlich es zugeben und logischerweise habe ich in 32 Jahren Tätigkeit in allen möglichen Ehrenämtern die Sie nicht hoch einschätzen, als Vize des Zentralrats etc. keinen Groschen Geld bekommen sondern nur bezahlt, bezahlt und nochmals bezahlt.

Übrigens Herr Broder, ich muss mich entschuldigen, es stimmt nicht ganz was ich da geschrieben habe. Ich bekomme tatsächlich Monat für Monat 450 Euro als stv. Vorsitzender des Rundfunkrats bei Deutschlandradio wo ich seit über 10 Jahren bin und das ist viel Geld. Haben Sie sich die Mühe genommen, in den vergangenen Jahren eine Recherche zu machen über Inhalt und Text von Deutschlandradio und anderen vergleichbaren Anstalten? Haben Sie sich die Mühe genommen zu sehen wieviel Arbeit es ist in den heutigen Zeiten, dass es so ist wie ich es ge-schafft habe dass Deutschlandfunk und DeutschlandRadio berichten?

Vielleicht sollten Sie meinen Ausguss über Zionismus in der Allgemeinen letzte Woche lesen und dabei schmunzeln, dass ich noch immer nicht die deutsche Sprache 100%ig beherrsche. Es ist schwer vom Getto in Budapest diese sprachlichen Höhen zu erklimmen die Sie geschafft haben und lassen Sie mich noch einen Rat zum Schluß geben:

Wie wäre es wenn Sie helfen würden. Wir wäre es wenn Sie durch Ihre Intelligenz dieser Organisation die so wichtig ist, Ideen geben würden. Wie wäre es wenn Sie statt auszuteilen auch einmal in den Spiegel schauen würden und zuletzt: Iris Berben - Wissen Sie wieviel Leute heutzutage bereit sind einen Preis zu akzeptieren der mit Israel zu tun hat, mit Zionismus, ja sogar uns Juden in totaux. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und viele viele Möglichkeiten so schöne mails zu verschicken wie Sie sie mir geschickt haben

mit freundlichen Grüßen
Dr. Robert Guttmann

sehr geehrter herr dr. guttmann,

ich muß mich bei ihnen entschuldigen: sie haben bereits den grad von unzurechnungsfähigkeit erreicht, der mit einem bundesverdienstkreuz belohnt wird. ich hätte es wissen müssen, bei jemand, der seit über 3o jahren allerlei ehren- ämter bekleidet und für gottes lohn, ersatzweise 45o euro monatlich, arbeitet, während ich mein süppchen koche und damit ein vermögen verdiene.

es freut mich aufrichtig, daß ich ihnen mit meinem geschenk eine kleine freude zu ihrem geburtstag bereiten konnte. lassen sie es mich bitte wissen, falls sie sich noch etwas wünschen. vielleicht den ratgeber von iris berben: »älter werde ich später«? oder doch lieber den duden mit den regeln für die zeichensetzung?

mit besten grüßen
ihr b.

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Copyright © 2004 Henryk M. Broder - Seite wurde zuletzt aktualisiert am 22.07.2004
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