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Israel Tagebuch - letzter Tag
Zum Schluss: Das Wetter
Wetter ist wichtig. Man müsste mal was schreiben über den Einfluss des Wetters
auf die Weltpolitik. Dass die Alliierten die Landung in der Normandie im
Juni 1944 wetterhalber beinahe abgesagt hätten, ist bekannt. Dass die
deutsche Niederlage vor Stalingrad mit dem Wetter zu tun hatte, ebenso.
Aber auch Events von lokaler Bedeutung sind vom Wetter abhängig. Wenn es
in Jerusalem schneit, was fast jedes Jahr vorkommt, bricht vom
Erziehungswesen bis zur Kriminalität alles zusammen.
Winter in Jerusalem (© Andre Brutmann)
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Am Wochenende war weitgehend Ruhe im
Heiligen Land, es wurde nicht geschossen, es gab keine Toten. Es regnete
in Strömen. Vom hohen Norden bis tief in den Süden goss es vom Himmel, als
wäre es der Anfang einer neuen Sintflut.
"Es ist gut für das Land", sagten die Leute. Aber sie dachten nicht an
die Waffenruhe, sondern an den Wassernotstand. Der Kinneret, wie der See
Genezareth heißt, steht auf Rekordtiefe, und man kann bald zu Fuß von
einem Ufer zum anderen wandeln. Ein paar Tage Regen machen den See nicht
wieder voll, aber es ist allemal besser als nichts.
Für für die Politik gilt
das gleiche. Jassir Arafat bedankt sich in einer Radiosendung beim
amerikanischen Ex-Präsidenten Bill Clinton für dessen Bemühungen, ein
Friedensabkommen zu erreichen; was so viel heißen soll wie: Du bist raus
und ich bin immer noch im Amt, ätsch! Der israelische Außenminister
Schlomo Ben-Ami bittet den türkischen Außenminister Ismail Cem, auf Arafat
einzuwirken, er möge einem Abkommen mit Israel zustimmen, solange Barak
noch Ministerpräsident ist. Ariel Scharon schickt eine Botschaft an George
Bush, er möge Arafat klar machen und ihn warnen, dass eine Fortsetzung der
Gewalttätigkeiten böse Folgen haben wird.
Und in Taba am Roten Meer, wo es nicht regnet, treffen sich israelische
und palästinensische Abgesandte zu einer "Marathon-Runde", die zehn Tage
dauern soll. Ob sie über das Wetter oder die Politik reden, das Ergebnis
wird dasselbe sein. Das macht den Israelis und den Palästinensern am
meisten Spaß, und das können sie auch am besten: Im Leerlauf Gas geben und
dann schauen, dass es alle mitbekommen.
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Erster Tag - Mauer statt Arafat
Tag 2 - Gershwin und Bomben
Tag 3 - Yoram und die Königin
Tag 4 - Die Pudelmütze mit der Taschenlampe
Tag 5 - Sushi am Montag
Tag 6 - Wunder der Wirklichkeit
Tag 7 - Humus bei Abu Shukri in Abu Gosh
Tag 8 - Mokka oder Mekka?
Tag 9 - Privatisiert den Wilden Osten!
Tag 10 - Das Café Atara - die "Krone" in Jerusalem
Tag 11 - Zocker für den Frieden
Tag 12 - Mit Clara nach Kuala Lumpur
Tag 13 - Der Löwe kämpft und der Geier wartet ab
Tag 14 - Sarah, die Matrone und Jossi, die Legende
Tag 15 - Schlechte Zeiten für gute Geschäfte
Tag 16 - Hamburger für alle
Tag 17 - Mit dem Rücken zur Wand und dem ABC-Set im Schrank
Tag 18 - Bill geht, und George kommt
Tag 19 - Auch ein Kaktus ist ein Baum, unter dem man träumen kann
Tag 20 - "Alle Palästinenser sind Terroristen"
Letzter Tag - Zum Schluss: Das Wetter
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Aber es gibt auch Erbauliches und Erfreuliches: Ein Mann ist auf einem
Esel in die Altstadt von Jerusalem eingeritten und hat verkündet, er sei
der Messias. Israelische Tierschützer haben gegen die Zwangsernährung von
Mastgänsen demonstriert und Schimon Peres, Minister für regionale
Zusammenarbeit und gute Laune, hat in Jerusalem den 14. Internationalen
Harfen-Wettbewerb eröffnet. Die Harfe, sagte er, sei ein Symbol für
Frieden und Harmonie.
Zurück in Berlin, mach' ich sofort das Fernsehen an und suche nach
einem Programm, in dem es garantiert nicht um den Nahen Osten geht.
"Striptease" mit Demi Moore auf RTL2 - das ist es! Eine der Stripperinnen
heißt "Miss Gaza Strip". Der Nahe Osten ist überall. Schalom allerseits!
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