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Firefighters Die Samariter von L.A. Wer in Amerika eine Uniform trägt, hat heute ein Imageproblem - außer er ist »Firefighter«. Nicht erst seit den Terroranschlägen auf das WTC gelten Feuerwehrmänner als Amerikas wahre Helden. In L.A. feierten sie ihren »Tag der Anerkennung«.
Jetzt, da alle anständigen Menschen anklagend auf die Amerikaner zeigen und sich in fröhlicher Schadenfreude wälzen wie Fritten im heißen Öl, will ich was Gutes über die Amis sagen: Die Feuerwehrleute sind okay. Sie riskieren ihr Leben, um Brände zu löschen, Selbstmörder von Hausdächern zu holen und streunende Tiger wieder einzufangen. Im Gegensatz zu Polizisten, die als brutal und korrupt gelten, haben die »Firefighter« einen Ruf wie Samariter. »Uns mögen alle«, sagt Ray Haro, »zu Thanksgiving und Weihnachten bringen uns die Leute Geschenke oder laden uns zu sich nach Hause ein, wenn sie Geburtstag feiern.« Haro, 1952 in Nashville/Tennesse geboren, hat bis 1974 ein College besucht und Geschichte studiert, doch statt ein Examen zu machen, bewarb er sich beim Los Angeles Fire Department und wurde angenommen. »Heute hätte ich ohne einen College-Abschluss keine Chance.« Seit über zehn Jahren macht er Dienst in der Fire Station 23, wo der Sunset Boulevard auf den Pacific Coast Highway stößt.
Frauenquote zwei Prozent Über hundert Feuerwehrwachen gibt es im Stadtgebiet von Los Angeles, mit knapp 3000 Feuerwehrmännern, darunter etwa 60 Frauen. Die Station 23 ist eine Männerdomäne. »Meine Schwester ist auch bei der Feuerwehr, in Westwood«, sagt Haro und fügt hinzu, Station 23 habe inzwischen auch einen »restroom for ladies«, falls mal eine Frau dahin abkommandiert werden sollte. Haro, der schon einige Male zu Besuch in Deutschland war und Schwarzwälder Schinken über alles schätzt, hat 24 Stunden Dienst und dann zwei bis drei Tage frei. So kommt er auf zehn »Shifts« pro Monat. »Es ist angenehm, man weiß im Voraus, wann man arbeiten muss und wann man frei hat.« Und die Bezahlung ist auch ordentlich. Ein Anfänger bekommt etwa 40.000 Dollar im Jahr, die Zuschläge und Überstunden nicht mitgerechnet, mehr als Lehrer, Busfahrer und Müllwerker. Haro erhält eine Prämie von rund drei Prozent des Gehalts, einen »bilingual bonus«, denn er spricht Spanisch. Den bekommt jeder, der eine Fremdsprache kann, praktisch jeder zweite Firefighter aus dem LAFD.
»Wir haben Philippiner, Koreaner, Japaner, Chinesen, Vietnamesen Mexikaner, Kubaner, Armenier und Iren«, aber die bekommen keinen Bonus, denn »Irish American« gilt nicht als Fremdsprache. »Ich kam hier mit nichts an, und ich kannte keinen Menschen«, sagt Jim Hynes, der 1950 in einem irischen Städtchen namens Galway geboren wurde. Die Eltern waren Farmer und hatten neun Kinder, von denen drei starben. »Das war damals vollkommen normal.« Normal war auch, dass viele das Land verließen, weil sie keine Arbeit fanden. »Menschen waren Irlands wichtigster Exportartikel.« »Tag der Anerkennung« 1970 ging Hynes in die USA und bewarb sich, wie Ray Haro, bei der Feuerwehr. Inzwischen ist er über 30 Jahre Feuerwehrmann und ein stolzer Amerikaner. »Das ist jetzt mein Land. Ich bin die Verkörperung des amerikanischen Traums. Hier gibt es Arbeit für alle, die arbeiten wollen.« Hynes ist verheiratet (»Von Anfang an mit derselben Frau!«) und hat vier Kinder. Die älteste Tochter fängt im Herbst an der katholischen Loyola-Universität ein BWL-Studium an, sie wird die erste Akademikerin der Familie. Hynes Mutter ist inzwischen über 90 Jahre und lebt auf ihrer Farm in Galway, Irland. Wenn sie noch reisen könnte, hätte Jim sie nach L.A. geholt zum Fire Service Recognition Day, dem Tag der Offenen Tür bei der Feuerwehr, damit sie sehen kann, wie weit ihr Sohn es gebracht hat.
Ray Haro und Jim Hynes machen ihre Station besucherklar, legen Broschüren und Infoblätter aus, einen Babysitters Guide (»Babysitter zu sein, ist einer der wichtigsten Jobs der Welt«), einen Ratgeber für Notfälle (»Wie man mit Katastrophen zurecht kommt«) und einen Hanna-Barbera-Comic (»Familie Feuerstein«), in dem Yogi-Bär erklärt, wie man sich vor, während und nach einem Erdbeben verhalten sollte. Während Ray und Jim noch auf Neugierige warten, ist die Station 69, ein paar Meilen weiter östlich auf dem Sunset Boulevard, schon gut besucht. Denn dort steht ein Super-Truck von über 20 Meter Länge mit einer ausfahrbaren Leiter, und die Feuerwache liegt gegenüber von »Ralph's«, einem Supermarkt von gigantischen Ausmaßen, der rund um die Uhr auf hat. Nach dem Einkaufen gehen die Familien zu den Firefighters rüber, bestaunen die Autos, die so neu und sauber aussehen, als wären sie noch nie benutzt worden, und stecken ihre Kinder in die feuersicheren Anzüge, die im Ernstfall getragen werden. »It' fun!«, rufen die Eltern den Kindern zu. Buddy, ein neun Jahre alter Dalmatiner, der bei allen Einsätzen als Glücksbringer mitfährt, wieselt zwischen den Besuchern hin und her. »Sein Job ist Public Relation«, sagt Firefighter Doak Smith, der den Super-Truck fährt. Über Los Angeles scheint die Sonne, Washington ist weit weg und der Irak noch weiter. Um 16 Uhr ist der Tag der Offenen Tür bei der Feuerwehr vorbei, Ray, Jim, Doak und die anderen machen wieder Dienst nach Vorschrift.
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