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Paparazzo in Malibu Hans, seine Gretels und Stars ohne Hosen Julia Roberts ist ein Dauerseller, Til Schweiger momentan sehr gefragt und Tommy Lee nur mit Pamela Anderson etwas wert. Ein Tag mit dem deutschen Paparazzo Paul als lange Nachhilfestunde in Gesellschaftskunde, Ökonomie und angewandter Philosophie.
Wie er so da sitzt, in seinen kurzen Jeanshosen, weißen Socken und Sandalen, könnte man ihn für einen deutschen Touristen halten, der einen Moment verschnaufen will. Aber Hans Paul ist mitten bei der Arbeit. Er hat den Parkplatz im Auge und checkt die Autos, die an ihm vorbeirollen. »Hier sitz ich immer, hier kommen sie alle her.« Der Platz vor der Energia Juice Bar im Malibu Country Mart ist klug gewählt. Er garantiert beste Übersicht bei optimaler Unauffälligkeit. Denn der Parkplatzwächter kennt alle Paparazzi und jagt sie gnadenlos vom Platz. Und Hans Paul ist es nur recht, wenn die Konkurrenten verscheucht werden, so hat er bessere Chancen, »einen Prominenten abzuschießen«. Vor ein paar Tagen hat er Pamela Anderson erwischt, als sie ungeschminkt mit einem Teddy-Bären im Arm und einem Coffee Mug in der Hand den Coffee Shop verließ. Das Foto ging um die Welt. »Was Pamela mir schon an Geld eingebracht hat, das ist ein Vergnügen.« »Die Promis mögen mich« Hans Paul ist ein Paparazzo. Er arbeitet für ein Dutzend Agenturen und noch mehr Magazine, die ihre Seiten mit den Abenteuern, Affären und Aufgeregtheiten von Prominenten füllen. Er ist ein Paparazzo aus Überzeugung, kein »Shooter« wie viele seiner Kollegen. »Die gehen bis auf drei Meter ran und drücken ab. Ich bleibe auf Distanz und bedanke mich mit einem Lächeln.« Deswegen, sagt Hans Paul, »mögen mich die Promis und wollen von mir fotografiert werden, ich belästige sie nicht.« Aber es soll bitte schon so aussehen, als seien sie überrascht worden. Hans Paul hat Grundsätze, Manieren und Erfahrung. Seit über 20 Jahren lebt er überwiegend im Ausland, die letzten sechs Jahre in den USA.
»Der Ami gibt sich mit dem ab, was ist, und macht das Beste draus. Der Deutsche denkt immer darüber nach, wie es sein sollte und könnte. Deswegen ist er auch immer unzufrieden.« Paul selbst ist das beste Beispiel, wie aus einem Deutschen im Laufe der Zeit ein Ami werden kann. 1954 in Bardowick bei Hamburg geboren, hat er »die Volksschule abgeschlossen« und Fotolaborant gelernt. 1968 kam »Blow-up« in die Kinos, seitdem »war bei mir das Virus im Kopf, ich wollte Reporter werden«. Doch erst mal ist er ein Jahr zur See gefahren, dann einmal quer durch die USA als Anhalter, »das Leben auf der Straße hat mir gefallen«. Er arbeitete in Südamerika, anschließend in einer Stahlfabrik in Venezuela, in einem Kibbuz in Israel und in den Kupferminen in der Negev-Wüste. Ein schwarzer Rolls-Royce Silver Shadow II, Baujahr 1974, rollt an uns vorbei. Hans Paul hebt kurz den Kopf, schaut den Fahrer an und sagt: »Da ist ein Nobody, Stars fahren solche Autos nicht.« Dann geht's weiter mit der Vita. »Ich wurde christlich erzogen. Heute bin ich ein Humanist.« Wieder in Deutschland produzierte er Skandal- und Enthüllungsgeschichten für Boulevardzeitungen und Illustrierte (»Kölner Express«, »Neue Revue«). Dann musste er wieder weg. Er ging nach Florida, wo er alte Autos erwarb und nach Deutschland schickte, um sie mit Gewinn zu verkaufen. »Ob man mit Autos handelt oder mit Geschichten, ist völlig gleich, man muss nur den Markt kennen.«
Viel Geld für harmlose Bilder Mitte der neunziger Jahre kehrte Hans Paul wieder nach Deutschland zurück, aber: »Ich wollte mich nicht mit Dreck befassen.« So wurde er ein Paparazzo. Der erste Promi, den er »abschoss«, war Michael Schumacher beim Einkaufen in Halver bei Iserlohn, dem Wohnort der Schwiegermutter. »Es waren liebe, nette Fotos, und der hat die Polizei gerufen.« Was ihn noch mehr wunderte, war, »wie viel Geld für so harmlose Bilder bezahlt wurde«. Als Peter Graf wegen Steuerhinterziehung ins Gefängnis musste, sprach Hans Paul auf der Straße vor dem Gefängnis einen Freigänger an, drückte ihm eine kleine Kamera und etwas Geld in die Hand und konnte den Zeitungen bald darauf Bilder aus Grafs Zelle anbieten. Graf selbst war nicht kooperativ. »Der kam um 8.30 Uhr aus dem Knast, fuhr dann in eine Villa in den Bergen und radelte den ganzen Tag durch die Landschaft. Da hab ich ihn dann ein paar Mal abgeschossen.« Vor sechs Jahren, 1998, ging Hans Paul nach L.A. Ein Kollege von der »Bild«-Zeitung hatte ihm die Telefonnummer von Ralph Möller mitgegeben. »Das war mein Startkapital, der hat mich hier eingeführt und mit Geschichten versorgt.« Inzwischen kommen die Geschichten von alleine auf Paul zu. »Promis rufen an und sagen, da kommt einer und besucht mich. Ich möchte mit aufs Bild, aber verrat nicht, dass ich dich angerufen habe.« Das würde Hans Paul nicht machen, denn Diskretion ist in seinem Beruf eine Grundvoraussetzung. Und Kooperation ist wichtig, so haben alle etwas davon. Paul, die Promis und die Tippgeber: Fitnesstrainer, Friseure, Boutiquenbesitzer, Hotelportiers und Nannies, die sich um die Promi-Kinder kümmern. Da Paul nicht überall zur selben Zeit sein kann, ist er auf ein Netzwerk von Informanten angewiesen. Neulich bekam er einen Tipp, »der Gold wert war«: Madonna auf dem Fahrrad, mit Sonnenbrille und Kopftuch, unterwegs zu ihrem Gym in Beverly Hills. Bevor sie eintraf, war Paul schon da.
Während Hans Paul den Parkplatz am Malibu Country Mart im Blick behält, sind seine »Lehrlinge« immer unterwegs, drei junge Damen mit Digitalkameras, die Paul der Einfachheit halber alle »Gretel« nennt, Gretel eins, 19, in Beverly Hills, Gretel zwei, 20, auf dem Rodeo Drive und Gretel drei, 24, am Strand von Malibu. »Auf meine Lehrlinge bin ich stolz.« Das Telefon klingelt, und Gretel drei meldet sich. Sie meint, sie hat das Auto von Harrison Ford gesehen. »Der Ford fährt jetzt ein kleines Elektroauto«, sagt Paul, »und die sehen alle gleich aus.« Zwei Minuten später ist Gretel wieder in der Leitung: Es war nicht Harrison Ford, aber der Phaeton von Til Schweiger ist eben an ihr vorbeigefahren. »Fahr ihm nach«, sagt Paul, denn Fotos von Schweiger sind grade sehr gefragt. Aber der Phaeton ist schon weg. »Das Ganze ist ein Spiel«, sinniert Paul, »wie 'Mensch ärgere dich nicht' oder 'Räuber und Gendarm', man darf es nicht zu ernst nehmen.« Gretel drei heißt eigentlich Claudia, wurde in Salzburg geboren, hat in Wien Schauspiel und Musical studiert und kam vor einem halben Jahr nach L.A., um in Hollywood Karriere zu machen. Sie geht zu Castings und hat schon eine Theaterrolle bekommen. Hans Paul hat sie im »Schatzi« kennen gelernt, einem Lokal in Santa Monica, das von Deutschen und Österreichern besucht wird. Claudia hat gekellnert und fiel Hans Paul auf, »weil sie so geschickt und nett war«. Einen Tag später hieß sie schon Gretel und war mit der Digitalkamera unterwegs. Stars ohne Hosen Am Nachmittag setzt sich Hans Paul in seinen 20 Jahre alten Porsche Carrera ohne Klimaanlage und mit Gangschaltung und fährt seine übliche Runde. Zuerst zu »Ralph's« Supermarkt in der Malibu Colony Plaza, wo Jim Carrey gerne einkauft, dann über die Broad Beach Road, wo Danny De Vito, Dustin Hoffman, Mel Gibson und Whoopie Goldberg ihre »Strandhütten« haben, die zehn Millionen Dollar und mehr wert sind, von dort über die Old Malibu Road (»Mal schauen, ob Adam Sandler zu Hause ist!«) zur Zuma Beach. »Strandbilder gehen immer gut. Die Leute wollen wissen, wie Stars ohne Hosen aussehen.« Ein Tag mit Hans Paul ist eine lange Nachhilfestunde in Gesellschaftskunde, Ökonomie und angewandter Philosophie. Die Stars »müssen heiß und jung sein«, Jennifer Lopez, Cameron Diaz und Leonardo DiCaprio verkaufen sich am besten, Schwarzenegger dagegen »läuft schlecht, obwohl er Gouverneur ist«, und Whoopie Goldberg »will kaum jemand sehen«. Warum das so ist? »Keine Ahnung, so ist es eben.« Julia Roberts ist ein Dauerseller, der Kurs von Nick Nolte zieht langsam an, und Tommy Lee kann man anbieten, »aber nur mit Pamela Anderson, allein ist er nix wert«.
Paul arbeitet 14 Stunden am Tag, nachts macht er grundsätzlich keine Bilder, »ich blitze den Leuten nicht ins Gesicht«. Er hält sich von Frauen fern, »denn Frauen stiften nur Verwirrung«, und geht nicht ins Kino: »Wenn man die Stars privat kennt, macht Kino keinen Spaß.« Dafür steht er jeden Morgen fröhlich und mit dem Gefühl auf: »Es riecht nach neuen Dollars!« »Es gibt nichts Schöneres, als auf der Straße zu leben« Dabei lebt er bescheiden und sparsam, in einem ehemaligen Flugzeughangar in Ventura, eine Autostunde nördlich von L.A. Sein mobiler Zweitwohnsitz ist ein Toyota-Van aus dem Jahre 1986, den er zu einem Wohnmobil umgebaut hat. Die letzten Nächte hat er den Van vor dem Haus von Julia Roberts geparkt, um sie morgens zu erwischen, »wenn sie die Zeitung holt oder mit ihrem Hund pinkeln geht«. Davor logierte er vor dem Haus von Nicolas Cage. »Das sind alles meine Nachbarn. Ich bin obdachlos aus Überzeugung. Es gibt nichts Schöneres, als auf der Straße zu leben. Ein Haus baue ich mir erst, wenn ich nicht weiß, wo ich hin will.« Seine Eltern - der Vater war Bauingenieur, die Mutter Hausfrau - wollten immer, »dass aus mir was Besseres wird«. Nun hat er es geschafft, er, der nur eine Laboranten- und keine Fotografenlehre machen durfte. Hans Paul kennt die Stars und Stars kennen ihn. »Ich bringe Leben in das Leben.« Im Gegensatz zu den Promis, die er »abschießt«, hat Paul keine Angst vor der Zukunft. »Das hier ist ein krisenfester Arbeitsplatz, den ich mir selbst geschaffen habe.« Und wenn er dann in seinem 22-PS-Ultralight-Flieger mit der deutschen Zulassungsnummer D-MOLA über dem Strand von Malibu kurvt und nach Stars Ausschau hält, dann hat er nur einen Wunsch: »Es soll alles so bleiben, wie es ist.«
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