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Besuch bei Peter Wolf »Das Orchester bin ich!« Der Mann, nach dessen Melodie »Kommissar Rex« tanzt, stammt aus Wien, hat mit Fatty George und Frank Zappa gespielt, lebt in Malibu und liebt Amerika - aber nicht George W. Bush und dessen Regierung.
An der Einfahrt steht »Villa di Sensi«, Haus der Sinne, hinter dem Tor, das per Fernbedienung auf- und zugemacht wird, warten Lucy and Sir Humphrey auf Besucher. Lucy, der Labrador, sieht zierlich aus neben Sir Humphrey, dem Neufundländer. Und schon steht der Hausherr in der Tür: rotes Polohemd, rote Shorts, weiße Turnschuhe, Telefon in der Hand. »Ich schick dir die drei ersten Sätze heute rüber, versprochen!« Es klingt wienerisch mit amerikanischem Akzent. Peter Wolf ist ein Wiener, seit 1975 lebt und arbeitet er in den USA. Zurzeit steht er ein wenig unter Druck, denn er schreibt eine »Symphonie in sieben Sinnen«, die Anfang September in Linz uraufgeführt werden soll, bis Ende Juni will er fertig sein. »Das ist praktisch übermorgen.« Aber vorher muss er noch eine Filmmusik für eine amerikanische Produktion aufnehmen und eine neue Folge von »Kommissar Rex« vertonen. Das macht er 15-mal im Jahr, und er macht es gerne, denn »Kommissar Rex« ist, gleich nach »Bay Watch«, »die erfolgreichste Fernsehserie aller Zeiten«, sie läuft in 107 Ländern, auf mehr Kanälen als »Dallas«, »Derrick« und »Dynasty«. - Wieder was dazugelernt.
Peter Wolf wohnt in Malibu, in einem geräumigen Haus mit einem Blick über den Pazifik, der so herrlich ist, dass es fast weh tut. So viel Schönheit würde jeden normalen Menschen zum Nichtstun verführen, Peter Wolf aber arbeitet wie ein Irrer. Doch das hat er schon immer getan. »Es zog mich immer in den Westen« 1952 in Wien geboren, konnte er mit fünf Jahren Klavier spielen, gab mit neun sein erstes Beethoven-Konzert und wurde mit 16 von »Fatty George« (Franz Georg Pressler, 1927 bis 1982) in dessen Band geholt. Der war damals so berühmt wie Acker Bilk und Chris Barber. »Wir gingen auf Tournee, und ich hab mehr Geld verdient als meine Lehrer.« Matura machte er nebenbei, spielte dann mit Karl Ratzer in der Band »Gypsy Love« (»Das waren drei Zigeuner, ein Ami und ich«) und gründete mit 19 eine eigene Band: »Peter Wolf's Objective Truth Orchestra«, ein Jazz-Quintett, das »Jazz meets Rock« spielte. »Eines Tages kam ein junger Disc Jockey zu mir und fragte, ob ich für ihn Arrangements schreiben könnte. Das war Andre Heller.« Es wurde der Beginn einer langen Freundschaft und Zusammenarbeit. Wolf schrieb unter anderem die Musik für »Es war einmal«, Erika Pluhars großen Hit.
Aber er wollte weg aus Wien. »Es zog mich immer in den Westen. Als Kind gab es für mich nichts Schöneres, als von Wien nach Salzburg zu fahren. Salzburg war schon der Westen, nur Amerika war noch weiter westlich.« Und: »Amerika war schon immer mein Traum. Alle meine Helden kamen von dort.« 1975 ging er nach New York, konnte in der Stadt aber nicht Fuß fassen. »Da gab's eine Musiker-Mafia, und die kontrollierte alles.« Also fuhr er weiter gen Westen, nach Atlanta/Georgia, wo es eine sehr vitale Jazz-Szene gab. Da fand er sofort einen Job, bei einer Holiday-Inn-Band, mit der er von einem Hotel zum anderen tourte. In Birmingham/Alabama stieg er aus, spielte in einem Club namens »Courtyard« und wurde als Lehrer an die University of Montevallo engagiert, wo er ein Jahr lang die Studenten-Big-Band unterrichtete. Zappa: »Come over. Now« Dann mietete er sich einen U-Haul-Anhänger, packte alle seine Sachen rein und rollte nach Los Angeles, »wo ich eigentlich immer hin wollte«. Denn das war der ultimative Westen. Weiter westlich gab's nichts mehr. Nach drei Wochen in der Stadt bekam er einen Anruf von Frank Zappa. »Es war so, als ob mich Gott persönlich anrufen würde.« Zappa suchte einen Keyboard-Spieler. »Come over. Now.« Das Vorspielen dauerte den ganzen Tag, dann war Wolf bei den »Mothers of Invention« aufgenommen.
Wolf steht auf und holt einen Metallic-Koffer voller Kostbarkeiten. Kassetten mit Live-Mitschnitten der Konzerte und Partituren, die Zappa geschrieben hat, unter anderem für »Blow Job«, »Sofa Nr. 2« und »Penis Dimension«, Stücke, die jeden Zappa-Fan an den Rand des Kollaps treiben. Wolf zieht die Notenblätter auseinander und freut sich. »Ich habe elf Platten mit Zappa aufgenommen.« Fast vier Jahre war er mit den »Mothers of Invention« unterwegs. »Da habe ich viel gelernt, aber wenig verdient.« Als er anfing, gab's 500 Dollar pro Woche, und als er aufhörte, waren es 1000 Dollar. »Zappa war nicht geizig, er steckte alles in seine Produktionen.« 1980 machte sich Wolf als Studiomusiker selbständig, er arbeitete »für alle«, nahm in fünf Jahren etwa 500 Alben auf und verdiente endlich richtiges Geld, 300.000 bis 400.000 Dollar pro Jahr. »Dann wurde ich Produzent.« Wie so oft in seinem Leben war er zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle und traf dort die richtigen Leute. »Talent ist Massenware, ich hatte Glück.« Er schrieb Songs und produzierte Gruppen wie die Commodores, Jefferson Starship, The Who, Chicago, Earth-Wind-And-Fire, Santana, komponierte die Titelmusiken für »Pretty Woman«, »Top Gun« und »Short Circuit« und die kompletten »Scores« für die »Peanuts«, »Irren ist männlich« und »Tanz auf dem Vulkan«. Die einzige Droge, die Wolf im Übermaß produziert und konsumiert, ist Musik Wolf hatte immer viel zu tun. Vor kurzem hat er den ganzen »Nussknacker« für einen 90-Minuten-Animationsfilm eingespielt, ganz allein auf dem Keyboard und mit Hilfe einer Software, die das Keyboard in alle Instrumente »übersetzt«, die gebraucht werden: »Das Orchester bin ich.« 1987 wäre Wolf beinah der Produzent von Miles Davis geworden, aber »es ging sich nicht aus«.
Als er das Haus in Malibu besichtigte, fragte ihn der Makler: »Do you know a guy by the name Miles Davis?« Der habe nämlich seinen Namen in den Betonrand um einen Kanaldeckel im Garten reingeschrieben. Wolf traute seinen Augen nicht. Da stand: »Miles D. 87«. Daraufhin hat er das Haus gekauft. Später fand er heraus, wie das Autogramm in den Beton gekommen war. Das Haus hatte Elliott Roberts gehört, dem Manager von Bruce Springsteen und Neil Young, »Miles wohnte ein paar Häuser weiter, kam ab und zu rüber und die beiden rauchten zusammen«. Wolf selbst raucht eine Zigarre pro Monat und trinkt täglich ein Glas Rotwein, »weil es gesund ist«. Die einzige Droge, die er im Übermaß produziert und konsumiert, ist Musik. Um Politik kümmert er sich kaum Er sagt: »I love America! America is the best!« Aber die jetzige Regierung »ist eine andere Geschichte«. Und er zitiert Frank Zappa: »There are human beings and there are Republicans.« Im Jahre 2000 kam er bei einer Umfrage in Österreich in der Kategorie »erfolgreichster Musiker des Jahrhunderts« auf Platz zwei - nach Mozart. Im Jahre 2002 wurde ihm das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst verliehen. » Als erstem U-Musiker. Nicht einmal Johann Strauss oder Franz Lehar haben es bekommen.« In Wolfs Arbeitszimmer hängt zwischen seinen Goldenen Platten ein Schild an der Wand, das ihm ein Freund geschenkt hat: »Peter Wolf - KuK - Hofcompositeur«. Aber Wolf wollte nie ein großer Fisch in einem kleinen Teich werden. Deswegen hat er Österreich verlassen. Jetzt ist er das, was er immer sein wollte: Ein großer Fisch in einem ganz großen Teich.
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