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Die Achse des Guten

Das Letzte

Günter Nooke MdB
Kultur- und medienpolitischer Sprecher
CDU/CSU-Fraktion des Deutschen Bundestages


Sehr geehrter Herr Broder,

durch das Austauschen unterschiedlicher Meinungen und einiger emails uns einander nicht ganz unbekannt, möchte ich zu Ihrem heutigen Kommentar auf RadioEINS folgendes feststellen: Meine scharf zugespitzte Formulierung von den »Vaterlandsverrätern« war sicher nicht der differenzierteste Beitrag zu dieser Debatte, die ich in der Tat für völlig absurd halte. Nachdem dieses Vorhaben in den Reihen der Koalition ja nicht weniger schmeichelhaft als Anhaltspunkt dafür gewertet wurde, dass der alte Verdacht belegt werde, dass westdeutsche Sozialdemokraten und Grüne mit der Einheit «im Grunde nicht viel am Hut hatten und haben» (Stephan Hilsberg, SPD), ist es nachmittags vom Bundeskanzler selbst ad acta gelegt worden.

Im legitimen Kampf um die öffentliche Meinung in unserer Demokratie bin ich auch gern bereit und auch dafür bekannt, meinerseits adäquaten »Gegenwind« auszuhalten: das entspricht gutem Stil, den allseits bekannten, ungeschriebenen Spielregeln. Auch bin ich persönlich durchaus in Journalistenkreisen dafür geschätzt, die Botschaft prägnant formuliert auf den Satz - oder wie in diesem Fall - auf das zitierfähige Wort zu bringen.

Dennoch muss ich in aller gebotenen Deutlichkeit und entschieden zurückweisen, dass mit meiner Zuspitzung Ihre Replik in Form der Sentenz als »Ankläger, Richter, Hinrichter« - in Personalunion auf mich gemünzt - auch nur ansatzweise gerechtfertigt sei. Ihr Satz suggeriert in seiner Konsequenz, ich sei ein potentieller Mörder. Dieser Punkt ist - zumal vor dem Hintergrund meiner persönlichen Vita - außerhalb des Rahmens einer adäquat-scharfen Reaktion nach dem zuvor skizzierten Fairplay für öffentliche Kontroversen.

Ich hoffe, dass Sie dieses mir persönlich und der Öffentlichkeit gegenüber zurücknehmen, da Sie dafür keinerlei Belege auch aus den Gesprächen und Kontakten, die wir früher hatten, ziehen können. Auf ein fruchtbares Miteinander und eine Streitkultur zum Wohle unserer Demokratie und Republik verbleibe ich

mit herzlichen Grüßen
Ihr
Günter Nooke

Lieber Herr Nooke,

ich hab mich sehr gefreut, sie neulich auf der »Brücke der Einheit« über die Werra bei Vacha zu treffen. Noch mehr freut mich, dass sie meinen Freitagskommentar auf Radio 1 regelmäßig hören. Und Sie wissen: Ich mag Sie, auch wenn wir gelegentlich aneinander geraten. Aber jetzt gehen Sie zu weit. Sie unterstellen mir, ich hätte Sie »Mörder« genannt. Das habe ich nicht gemacht. Ich kann mir diese Unterstellung nur mit der »Kränkungswut« (Maaz) erklären, die im Osten weit verbreitet ist. Ich habe Sie in der Tat »Hinrichter« genannt, und Hinrichter sind keine Mörder. Einer Hinrichtung geht meistens ein legales Procedere voraus, deswegen finde ich es unverantwortlich, die Enthauptungen durch islamische Fanatiker »Hinrichtungen« zu nennen, wie es in der Presse üblich geworden ist. Es sind Morde, ohne den Hauch einer legalen Rechtfertigung.

Ich bin trotzdem bereit, den »Hinrichter« mit dem Ausdruck des aufrichtigen Bedauerns zurück zu nehmen, wenn sie mir sagen, was mit den »Vaterlandsverrätern« geschehen soll.

Üblicherweise wurden sie ja, wie Deserteure und Wehrkraftzersetzer, an die Wand gestellt. Was schwebt Ihnen vor?

Sollen sie nur dazu verurteilt werden, mit einer Rasta-Perücke nach Anbruch der Dunkelheit durch Cottbus zu laufen? Oder bei Herrn Hohmann in Fulda ein Praktikum zu absolvieren?

Sollen sie eine Woche lang täglich Soljanka und Würzfleisch essen oder zusammen mit Anjte Vollmer im Radio nur deutsche Schlager hören?

Sagen sie es mir, und der »Hinrichter« kommt so schnell vom Tisch, wie er drauf gekommen ist. Beste Grüße aus dem Morgengrauen

Ihr B.

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Copyright © 2004 Henryk M. Broder - Seite wurde zuletzt aktualisiert am 22.11.2004
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