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Shraga und Jamal oder: Plisch und Plumm machen was zusammen
Der Antisemitismus ist eine viel zu ernste Sache, als dass man sie den Antisemiten überlassen könnte.
Deswegen ist es so wichtig, dass Demokraten wie Möllemann, Literaten wie Walser und Rentner wie
Blüm sich der Sache annehmen. Raus aus den Schmuddelecken und rein in die Mitte! Besonders gut macht
sich, wenn ein Jude dabei Hilfestellung leistet. Dann wird's richtig authentisch. Früher war es
Erich Fried, der jeden Antisemiten für koscher erklärte und ihm einen Vierzeiler hinterher
warf, später hat sich Abi Melzer ("Semit") kurz in der Rolle versucht, musste aber pleitehalber
aufgeben, dann war die Nische eine Weile verwaist.
Jetzt ist sie wieder besetzt, von einem Mann namens Shraga Elam, der in Zürich lebt und sich "israelischer
Friedens-Aktivist, Journalist und Buchautor" nennt. Er veröffentlicht obskures Zeug auf obskuren
Websites. Vor allem aber ist er der Strippenzieher hinter dem NRW-Abgeordneten Jamal Karsli. Elams E-Mail
an Karsli, in der von "israelischen Nazi-Methoden" die Rede war und die Karsli mit dem Vermerk
"sehr lesenswert" weiter verbreitete, war der Anlass (oder der Vorwand) für Westerwelle,
Karslis Ausschluss aus der FDP-Fraktion im Düsseldorfer Landtag zu fordern und schließlich,
gegen Möllemann, durchzusetzen.
Wer aber gemeint hatte, damit wäre Karsli still gelegt, lag daneben. Der Mann ist zwar dumm wie
eine hohle Nuss, aber er hat Ausdauer, die Primärtugend aller Crashtüten und Knallchargen.
Am 21. Juni gab Karsli in Düsseldorf eine Pressekonferenz, auf der er seine "Anklage gegen
[...] die Herren Paul Spiegel und Michel Friedman" vorstellte. Er will die beiden wegen "Rufmords"
verklagen und das "Entschädigungsgeld", mit dem er jetzt schon fest rechnet, "Friedensprojekten
im Nahen Osten zukommen lassen".
Das ist zwar edel gedacht, aber ein wenig voreilig. Was ist, wenn Karsli den Prozess verliert? Was wird
dann aus den Friedensprojekten im Nahen Osten? Und wer bezahlt Karslis Anwaltskosten?
Shraga Elam wird es nicht tun, denn der hat seine Solidarität mit Jamal Karsli darauf beschränkt,
den armen Syrer ins Unglück zu jagen. Die beiden sind ein Paar wie Plüsch und Plum, Karsli
beruft sich auf Elam und Elam hängt sich an Karsli dran.
Zuletzt hat er zu der Pressekonferenz von Karsli einen "Unterstützungsbrief" ins Netz
gestellt, in dem er vor allem seine eigene Wichtigkeit als "israelischer Friedensaktivist"
hervorhebt, der von Zürich aus für einen gerechten Frieden im Nahen Osten kämpft - wie
Karsli von Düsseldorf aus. Auf den ersten Blick zwei "Semiten" auf dem Weg in eine bessere,
friedliche Zukunft, auf den zweiten zwei Psychos, die die Welt retten wollen und dabei komische Texte
produzieren.
Hier kommt zuerst die "Anklage" von Karsli gegen Spiegel und Friedman, dann der "Unterstützungsbrief"
von Elam für Karsli. Viel Spaß bei der Lektüre und nicht vergessen: Auch Juden und Semiten
dürfen dumm sein.
Presseerklärung zur Anklage gegen die folgenden Mitglieder des Zentralrats der Juden in Deutschland,
die Herren Paul Spiegel und Michel Friedman
Meine kritischen Äusserungen gegenüber Israel lösten heftige Reaktionen aus, und mir wurde
Antisemitismus der schlimmsten Sorte vorgeworfen. Es entstand eine regelrechte Hetzkampagne gegen mich,
gegen Herrn Jürgen W. Möllemann - und eigentlich auch gegen all jene, die einen echten und
gerechten friedlichen Ausweg für den schrecklichen und blutigen Nahost-Konflikt suchen.
Ich möchte deshalb die folgenden Mitglieder des Zentralrats der Juden in Deutschland wegen Verleumdung
und Ehrverletzung anklagen: die Herren Paul Spiegel und Michel Friedman. Ich will diese Funktionäre
verklagen aufgrund ihrer zentralen Rolle in dieser Kampagne und weil gerade sie - wegen der schrecklichen
Leidensgeschichte ihrer Vorfahren - mehr Mitgefühl gegenüber dem Schmerz anderer, z.B. gegenüber
den Palästinensern, demonstrieren sollten. Stattdessen lenken sie von den israelischen Gräueltaten
und Kriegsverbrechen ab.
Was eigentlich soll antijüdisch an meinen Aussagen sein?
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1.
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Die israelische Armee wendet Nazimethoden an, schrieb ich. Diese Feststellung nahm ich zurück,
nachdem mir klar geworden war, dass ich damit Teile der deutschen Öffentlichkeit überfordert
hatte, die nicht vollständig informiert sind über die tatsächliche Situation im Nahen
Osten. Durch Medienberichte und Informationen des israelischen Friedensaktivisten und Journalisten aus
Zürich, Shraga Elam, bin ich aufmerksam geworden, dass es israelische Quellen gibt, die meine Feststellung
untermauern:
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In einem Interview des Militärradios z.B. warf auch die israelische Nationalsängerin
Yaffa Yarkoni der israelischen Armee die Verwendung von Nazimethoden vor. Yarkonis Aussage wurde durch
ca. 60.000 Demonstranten in Tel-Aviv unterstützt. Sind diese zahlreichen jüdischen Friedensbefürworter
auch Antisemiten? Das Thema beschäftigte die dortigen Medien übrigens intensiv, währenddem
hierzulande kein Wort darüber zu lesen war.
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Der renommierte israelische Militärexperte Amir Oren empörte sich am 25. Januar 2002
darüber, dass das israelische Oberkommando bei den Vorbereitungen für die Eroberung dicht bevölkerter
palästinensischer Flüchtlingslager den lokalen Feldbefehlshabern befohlen habe, sich u.a. auch
die Erfahrungen der Nazis im Warschauer Ghetto einzuverleiben. Schaute man das Flüchtlingslager
von Jenin nach der Schlacht an, so entstand der Eindruck, dass diese Order dort ihre Umsetzung fand.
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Laut mehreren Berichten gibt es konkrete israelische Pläne zur Massenvertreibung der palästinensischen
Bevölkerung - zu einer ethnischen Säuberung also (s. z.B. den Plan 'Dornenfeld':
http://www.friedenjetzt.ch/ShragaElam/Plan-Dornenfeld.html).
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Die NS-Politik gegenüber den Juden in den 30er Jahren zielte zuerst auch "lediglich" auf
die Vertreibung der Juden. Die systematische physische Judenvernichtung begann bekanntlicherweise erst
1941, also praktisch acht Jahre nach der NS-Machtergreifung. Nach der ehemaligen israelischen Erziehungsministerin
Schulamit Aloni müssen wir unsere Stimme erheben und vor weiteren Eskalationen im Nahen Osten warnen!
Aloni sagte: "Die israelische Regierung und Armee haben die Palästinenser schon in eine KZ-ähnliche
Situation gedrängt. Es fehlt nur noch, dass sie vergast werden. Im Namen der Shoa soll auch dagegen
protestiert werden!" Wir dürfen zu der grossen Gefahr im Nahen Osten nicht schweigen. Gerade
dies ist eine wichtige Lehre aus der NS-Zeit. Mein Schrei richtet sich nicht gegen die Juden, ganz im
Gegenteil: Der Frieden ist im Interesse sämtlicher Bewohner des Nahen Ostens. Eine bevorstehende
Eskalation wird auch die Juden - und zwar weltweit - in Gefahr bringen. Dies ist keine Drohung, sondern
meine grosse Sorge. Eine solche Warnung kann also nie und nimmer als rassistisch gelten, im Gegenteil.
Diejenigen, die einen Unterschied und eine Rangordnung des Leidens nach nationaler oder ethnischer Zugehörigkeit
machen, setzen sich dem schweren Verdacht aus, selber rassistische Vorstellungen zu pflegen. Leiden ist
Leiden, ob nun jüdisches, muslimisches, christliches oder buddhistisches usw.
Ich betone, dass es absolut nicht meine Absicht ist, die jüdische Katastrophe während der NS-Zeit
zu verharmlosen. Wenn mich irgend jemand und zwar ohne Hintergedanke missverstanden hat, dann muss ich
mich entschuldigen, mich zuwenig klar ausgedrückt zu haben. Diejenigen, die sich über eine
vermeintliche Verharmlosung der Judenvernichtung freuen, muss ich ausdrücklich und vehement zurückweisen.
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2.
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Was den anderen gegen mich erhobenen Vorwurf anbelangt, es sei antisemitisch, den grossen Einfluss
der zionistischen Lobby auf die Medien zu erwähnen, so ist die Kampagne gegen meine Person der beste
Beweis dafür, dass meine Feststellung richtig ist. Ich betone, dass ich Lobbyarbeit als legitime
demokratische Tätigkeit betrachte und versuche, sie ebenfalls zu betreiben, z.B. in Interesse der
Migranten in Deutschland. Sie ist aber dann problematisch, wenn es um Machtmissbrauch und um die Unterdrückung
der Wahrheit geht.
Viele Menschen realisieren, dass ich das Opfer einer ungeheuerlichen Verleumdungskampagne bin, sind aber
verunsichert, ja eingeschüchtert. Sie wissen nicht, ob sie überhaupt noch denken dürfen,
was ihnen ihr gesunder Menschenverstand sagt. Sogar Rechtsanwälte fürchten sich vor den Schwierigkeiten,
mein gerechtes Anliegen zu vertreten. Das mir wegen dieses Rufmords zustehende Entschädigungsgeld
werde ich Friedensprojekten im Nahen Osten zukommen lassen.
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Jamal Karsli MdL, Düsseldorf, den 21.06.2002
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Shraga Elam
Zürich, den 21. Juni 2002
Offener Brief:
Unterstützung der Anklage von Jamal Karsal gegen Michel Friedman und Paul Spiegel
Die Mitglieder des Zentralrats der Juden in Deutschland sollen verklagt werden, und zwar nicht nur wegen
Ehrverletzung, sondern auch wegen Komplizenschaft mit den israelischen Kriegsverbrechern, grober Verletzung
der jüdischen Interessen und wegen ihrer rassistischen Haltung. Die zahlreichen israelischen Kriegsverbrechen,
die auch von renommierten und anerkannten israelischen Menschenrechtsorganisationen wie B'tselem oder
Physicians for Human Rights dokumentiert werden, können - so die überwiegende der Mehrheit
der israelischen Friedensbewegungen - nicht durch die palästinensischen Gräueltaten gerechtfertigt
werden.
Kollektivstrafmassnahmen, wie die massive Abriegelung der palästinensischen Gebiete seit über
20 Monaten, stellen einen klaren Verstoss gegen die Genfer Konvention dar und können die palästinensischen
Gewaltakte - laut den meisten israelischen Militärexperten - auch gar nicht verhindern. Ganz im
Gegenteil, meinen alle israelischen FriedensaktivistInnen. Denn die Aushungerung und Erniedrigung der
palästinesischen Bevölkerung produziert nur noch mehr Hass und Verzweiflungsakte.
Was wir im Moment erleben, kann nur als eine eskalierende Massenvertreibung der PalästinenserInnen
bezeichnet werden und entspricht schon jetzt der UNO-Definition für einen Völkermord. Es sind
in der israelischen Armee - und nicht zuletzt beim Oberkommando -, bei der politischen Machtelite und
in der allgemeinen Gesellschaft ganz gefährliche Tendenzen zu beobachten, die sehr stark an die
verhängnisvollen Entwicklungen im Deutschland der 20er- und 30er Jahre erinnern.
Dieser Vergleich darf nicht tabuisiert werden, wenn wir aus dem schrecklichen NS-Geschichtsabschnitt
lernen und nachdrücklich und ehrlich "Nie wieder Shoa" und "Nie wieder Genozid"
sagen wollen.
Die starke Tabuisierung um den NS-Judeozid ist das schlechteste Mittel, um eine Wiederholung solcher
Vorkommnisse zu verhindern. Diese Tabuisierung ist per se rassistisch, da sie die Deutschen - quasi genetisch
- als die ewigen Täter diffamiert und die Juden als die ewigen Opfer idealisiert.
Dass unsere Grosseltern und andere Verwandte von den Nazis umgebracht wurden, hielt leider eine erschreckend
grosse Anzahl israelischer Soldaten verschiedener Generationen nicht davon ab, an zahlreichen Kriegsverbrechen
teilzunehmen (s. Bericht über meine eigenen Kriegserlebnisse in der Neuen Luzerner Zeitung
http://www.neue-lz.ch/news/artikel.jsp?ref=30046160).
Durch ihre nicht gerechtfertigte und verantwortungslose Machtdemonstration leisten die jüdischen
Prominenten in Deutschland einen unübersehbaren Vorschub für sehr gefährliche politische
Tendenzen. Infolge der massiven Zensur in den deutschen Medien sind die Rechtsradikalen leider ein Auffangbecken
für das berechtigte Unbehagen geworden und bringen damit nicht nur die jüdischen Menschen,
sondern die gesamte Gesellschaft in Gefahr.
Anstatt einer offenen Diskussion, welche die konkreten und belegten Vorwürfe Karslis sachlich prüfen
soll, gibt es eine antidemokratische Hexenjagd, welche an die ganz schlimmen Zeiten erinnert und viele
anständige Menschen in eine Ecke drängt, in welche sie ganz bestimmt nicht gehören wollen.
Die Klage Jamal Karslis ist einen wichtigen Teil der Bemühungen, einen friedlichen Ausweg aus der
sehr gefährlichen nahöstlichen Situation zu finden.
Shraga Elam, Israelischer Friedensaktivist, Journalist und Buchautor in Zürich
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