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Die Achse des Guten

Das Letzte

Bruder Rafi

Seriös schreiben kann jeder Dummbatz, aber richtig komisch sein ist eine Gabe, über die nur wenige verfügen. Und kaum einer kann es besser als unser alter Freund Rafi. Seine Samstag-Kolumne in der BZ ist in Berlin inzwischen Kult.

Geht man am Samstag z.B. in das alte Cafe Bleibtreu in der Bleibtreustraße (neben Ali Baba) unweit vom Savignyplatz, wo auch die Fans von Edith Hanke und Ilja Richter sitzen, sieht man Menschen, die sich gegenseitig aus der BZ vorlesen und sich dabei vor Vergnügen weglachen, als hätten sie gerade erfahren, Johannes Heesters sei Vater von Zwillingen geworden. Es sind die Leser von Rafis Kolumne.

Letzten Samstag war er besonders komisch. Beseelt von Glühwein und abgefüllt mit Marzipankugeln entdeckte er, dass Jesus Jude war und die Nächstenliebe predigte. Damit nicht genug, kündigte Rafi an, er würde Weihnachten feiern, um seinen »Glaubensbruder Jesus« zu würdigen. Und das nicht irgendwo zwischen Halensee, Stutti und Nollendorfplatz, sondern in Jerusalem, sozusagen vor Ort.

Ja, darauf hat Jesus seit fast 2ooo Jahren vergeblich gewartet: dass er von Rafi gewürdigt wird. Und nun hat sich das lange Warten endlich gelohnt. Rafi fährt nach Jerusalem, um in der Heiligen Stadt das Fest der Liebe zu feiern. Er wird nicht, wie unsereiner, im Cafe Atara oder im Cafe Tamar oder bei Finks sitzen und darüber jammern, wie schön es früher war, als man noch ganz unkompliziert nach Jericho zum Essen und Einkaufen fahren konnte, Rafi wird von Jerusalem nach Bethlehem pilgern und auf den Knien in der Geburtskirche rutschen.

Und gleich am ersten Samstag nach Weihnachten wird er dann schreiben, dass er Kaspar, Melchior und Balthasar getroffen hat und dass die ihm ein Joint venture angeboten hätten. Nächstes Jahr werden Kaspar, Melchior, Balthasar gemeinsam mit König Rafi durch die Lande ziehen. Sie müssen nur aufpassen, dass Rafi nicht gleich die ganze Firma übernimmt. Wie Jesus es getan hat, mit den bekannten Folgen für uns alle.

»Der Jude Jesus« - Kolumne von Rafael Seligman aus »BZ«
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Copyright © 2004 Henryk M. Broder - Seite wurde zuletzt aktualisiert am 24.12.2004
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