|
|
D A S L E T Z T E
Das ZDF kürt die Besten, wir aber sagen, wer die Schlimmsten sind!
Unsere fünf schlimmsten Deutschen sind alle Deutsche ehrenhalber. Es wäre albern, Jeannette
Biedermann, Bärbel Schäfer oder Heino zu den schlimmsten Deutschen zu wählen, dazu sind
sie zu bieder, zu blond und zu blind. Sie geben einfach wenig her.
Also müssen wir etwas ausholen,
über die Grenzen greifen. Ein Deutscher ist nicht, wer einen deutschen Pass hat, von deutschen Eltern
stammt oder deutsche Fehlfarben-Zigarren raucht, ein Deutscher ist, wen die Deutschen gern haben, wem
sie zuhören, wem sie Geld hinterher werfen, ohne es vorher zu zählen. Deutschsein heißt,
von den Deutschen geliebt zu werden. Und je mehr einer geliebt ist, umso deutscher kann er sich fühlen.
Schlimmster Deutscher ehrenhalber ist der Amerikaner Michael Moore. Er hat drei Bücher geschrieben,
die niemand vermissen würde, wenn es sie nicht gäbe. Er sagt den Deutschen das, was diese gerne
hören wollen. Dass die Amerikaner dumm, primitiv und gewalttätig sind, dass sie im Begriffe
sind, die ganze Welt zu beherrschen. So was kommt bei den Deutschen gut an. Deswegen jubeln sie Michael
Moore zu und merken nicht, wie sie von ihm abgezockt werden. Moore ist der Prototyp des hässlichen
Amerikaners, über den er so gerne schreibt, ein Millionär, der einen auf »Kumpel«
macht, dem die Sorgen der kleinen Leute am Herzen liegen. Fragt man ihn, was er mit dem vielen Geld macht,
das er mit seinen Agit-Prop-Auftritten verdient, dann sagt er: »Es hilft mir, die Bücher zu
schreiben, die ich schreiben will.« Eine Drohung, die wir ernst nehmen sollten.
Schlimmster Deutscher ehrenhalber Nr. 2 ist ebenfalls ein Amerikaner, der New Yorker Peter Eisenman.
Er hat das Holocaust-Mahnmal entworfen, das nun doch gebaut wird, obwohl es inzwischen seine Sinngebung
ein wenig geändert hat. Es erinnert nicht an die ermordeten Juden, sondern daran, wie großartig
die Firma Degussa seit 1997, also nur 52 Jahre nach Kriegsende, ihre Geschichte aufgearbeitet hat. Deswegen
muss Degussa bei dem Projekt dabei sein, deswegen ruft Eisenman die Opfer der Nazis auf, sich mit Degussa
zu versöhnen. Eine tolle Idee, die ihm sicher noch ein paar Aufträge einbringen wird.
Schlimmster Deutscher ehrenhalber Nr. 3 ist ein Israeli, der ehemalige israelische Botschafter Avi Primor,
ein Mann mit guter Bildung und perfekten Manieren. Seit er den diplomatischen Dienst verlassen hat, hat
er viel Zeit und bietet sich als eine Art Guru an, der immer dann gerufen wird, wenn es einen Phantom-Schmerz
zu heilen gibt. Das war neulich wieder der Fall, als Avi Primor sagte, wenn man die Degussa boykottiert,
dann müsste man auch die Bundesregierung boykottieren, denn diese sei ja die Nachfolgerin der Bande,
die im Dritten Reich regiert hat. Wow! Das traf ins Schwarze! Das hätte auch Michael Moore sagen
können, wenn man ihn nur gefragt hätte.
Schlimmster Deutscher ehrenhalber Nr. 4 ist Andre Rieu, ein Holländer. Gäbe es in Deutschland noch
eine Monarchie und würde der deutsche Kaiser ein Orchester unterhalten - Rieu wäre sein Kapellmeister.
Rieu setzt da ein, wo James Last aufhört, er produziert die gleiche Art von Kaufhaus-Musik, nur
dass seine Musiker und Musikerinnen wie Puppen verkleidet auftreten, so dass man nicht weiß, was
man zuerst machen muss: sich die Augen oder die Ohren zuhalten. Weil es aber noch nicht genug Karl Moik
im Fernsehen gibt, die Wildecker Herzbuben eine Diät machen und Stefan Mross gelegentlich alkoholhalber
ausfällt, muss immer wieder Rieu ran. Seltsam, dass ihn noch niemand wegen seelischer Grausamkeit
oder Störung der Totenruhe verklagt hat.
Schlimmster Deutscher ehrenhalber Nr. 5 ist Peter Ustinov, ein Engländer, der aber im Gegensatz
zu Tony Blair ein ganz, ganz lieber Mensch ist. Es gibt keine Unicef-Gala ohne Peter Ustinov, und wenn
bei Kerner oder Beckmann ein Gast kurzfristig ausfällt, wird sofort Peter Ustinov eingeflogen und
präpariert. Unvergessen sind seine Kurzfilme an der Seite von Verona Feldbusch zugunsten von...
war es die Welthungerhilfe oder die notleidende Expo in Hannover? ...egal, jedenfalls hatte Ustinov viel
Spaß und die Entlohnung soll auch mehr als ordentlich gewesen sein. Denn umsonst macht er nix,
obwohl er sich ständig für die Armen und Hungernden einsetzt. Ustinov kann, wie früher
Genscher, an mehreren Orten zugleich sein, inzwischen tritt er sogar im Magazin der Deutschen Bahn als
virtueller Reisender auf. Allerdings soll es auch schon Fernsehgeräte mit einer eingebauten Peter-Ustinov-Sperre
geben, sobald er zu sehen ist, schaltet das Gerät auf ein anderes Programm um.
Natürlich gibt es noch mehr schreckliche Deutsche honoris causa, Michail Gorbatschow zum Beispiel
oder Michelle Hunziker, aber diese fünf sind die Besten der Schlimmsten. Und wenn das ZDF demnächst
wieder eine Show der Superlative startet, wird es sie berücksichtigen müssen. Das wird dann
wieder eine tolle Quote geben.
HMB, 29.11.o3
|