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Selber schuld!
Ein Volk, ein Kanzler, eine Trauer? Nicht unbedingt.
Während in New York und Washington die Toten noch
nicht geborgen sind und die Weisen von Kabul darüber
beraten, ob sie Osama bin Laden an die USA ausliefern
sollen, steht für einen Teil der deutschen
Öffentlichkeit der Schuldige für den Massenmord fest:
Es sind die USA, die durch ihre Arroganz, Außen- und
Umweltpolitik, durch ihr Verhalten in Vietnam, Chile
und im Nahen Osten das Desaster auf sich gezogen
haben. "Selber schuld!" schallt es den Toten und den
Überlebenden der Katastrophe entgegen, "es ist zwar
schrecklich, was euch passiert ist, aber nicht
unverdient." - Mag sein, dass nur eine Minderheit der
Bevölkerung so denkt, aber da sie zur Zeit von der
offiziellen Politik nicht vertreten wird, artikuliert
sie sich umso deutlicher. Auf meinen Beitrag bei
spiegel online "Warum wir die Amerikaner hassen" kamen
rund 8oo Leser-Reaktionen, ein Rekord auch bei
kontroversen Geschichten. Etwa die Hälfte der Leser
war mit dem Beitrag einverstanden, die andere Hälfte
protestierte heftig und insistierte, dass nicht der
Anschlag auf das World Trade Center und das Pentagon,
sondern die erwartete Reaktion der USA die wirkliche
Gefahr für den Frieden bedeuten würde. Was in diesen
Briefen zum Ausdruck kommt, ist ein authentisches
Ressentiment, das auch von 5.ooo Toten nicht gedämpft
wird. Ob man es "Antiamerikanismus" nennt oder einfach
"Mangel an Mitgefühl", spielt keine Rolle. Es ist ein
Vorgeschmack auf die Stimmung, die sich im Land
ausbreiten wird, wenn die Bundesrepublik in den
Konflikt hineingezogen wird.
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