|
|
Freiheit für Slobo!

An der Uni München gibt es einen AStA, und im AStA gibt es auch ein
"Antifaschismus-Referat." Weil der Kampf gegen Hitler und die Seinen umso
heftiger geführt wird, je länger das Dritte Reich tot ist, haben die
Antifaschisten vom Antifaschismus-Referat der Uni München alle Hände voll
zu tun. Wenn sie sich nicht grade auf dem Oktoberfest voll laufen lassen
("Saufen gegen Rechts"), treten die Mitarbeiter des Referats jeden Tag
zwischen acht und neun Uhr morgens zum Dienst an, um gegen den Faschismus
zu kämpfen. Eine schwere Aufgabe, die den Einsatz aller Kräfte verlangt.
Und so hat das Antifaschismus-Referat des AStA der Uni München eine
Postkarte auf den Markt gebracht, die so witzig ist, dass sie von Klaus
Staeck sein könnte. Wir sehen einen Mercedes (vermutlich der S-Klasse), am
Steuer sitzt Joschka Fischer, neben ihm sitzen Wilhelm II. und Hitler. Alle
drei sind unterwegs zum Balkan. Soll heißen: Fischer bringt einen Job zu
Ende, den die beiden anderen nicht vollendet haben. Da lacht der
Pazifist, dass die Reifen quietschen und die Antifa-Kasper freuen sich,
einen Super-Gag produziert haben. Nun rekrutiert sich die organisierte
deutsche Antifa ohnehin aus Leuten, die zu spät geboren wurden, um bei der
SS oder SA mitmachen zu können. Doch statt die Gnade der späten Geburt zu
genießen, ziehen sie sich Bomberjacken an und demonstrieren gegen den
"Faschismus," um wenigstens so dem Gegenstand ihrer unerfüllten Sehnsucht
näher zu kommen. Besser ein zertrümmertes Hakenkreuz als Aufnäher auf dem
Ärmel als gar keins. Die Referenten des Antifaschismus-Referats an der Uni
München marschieren nicht allein. Es gibt inzwischen auch ein
Internationales Komitee für die Verteidigung von Slobodan Milosevic, das
unter dem Motto "Freiheit für Slobodan Milosevic! Hände weg von
Jugoslawien!" nichts weniger fordert als "die sofortige Haftentlassung von
Slobodan Milosevic und seine unverzügliche sichere Rückkehr nach
Jugoslawien," ersatzweise seine Überstellung an das
Antifaschismus-Referat des AStA der Uni München, wo er als Berater und
Ideengeber für weitere Postkartenaktionen wirken könnte. Angehörige des
Milosevic-Komitees trafen sich am letzten Wochenende im Rathaus
Schöneberg, um auf Einladung der PDS weitere Aktionen zu beraten. Im
Rathaus Schöneberg hat früher Willy Brandt regiert, das war zu jener Zeit,
als die PDS noch SED hieß und nichts dagegen hatte, dass an der Mauer
Menschen wie Hasen abgeschossen wurden. Jetzt regiert die PDS in Berlin
mit, und deswegen darf sie auch im Rathaus Schöneberg zur Verteidigung
eines Mannes aufrufen, der im dringenden Verdacht steht, einen kleinen
Völkermord organisiert zu haben. Sprecher der "Deutschen Sektion" des
Internationalen Komitees für die Verteidigung von Slobodan Milosevic ist
der Präsident der Union der Freidenker, Klaus Hartmann, zu den
Gründungsmitgliedern gehören der Bundessprecher VVN-Bund der
Antifaschisten, Peter Gingold und der ehemalige Botschafter der DDR in
Jugoslawien, Ralph Hartmann; im näheren Umfeld tummeln sich die üblichen
Verdächtigen: Rolf Becker (Charaktercharge), Prof. Wolf-Dieter Narr (der
Name ist Programm), Käthe Reichel (Knallcharge), Willi Sitte
(Staatsmaler), Gerhard Zwerenz (dirty old man). Es gibt Gerüchte, dass
demnächst auch Peter Handke (wunschlos unglücklich) dem Komitee beitreten
möchte. Nicht einmal Milosevic hat solche Freunde verdient. Falls ihn das
Haager Tribunal von der Anklage des Völkermordes freispricht, wird er
umgehend die sofortige Liquidation des Komitees anordnen. Und dann wird
es keine Unschuldigen erwischen.
HMB, 3.3.2oo2
|