...selber schuld,
wenn Sie mir schreiben
Offizielle Homepage von Henryk M. Broder


Startseite
Tagebuch
Foto des Tages
Schmock der Woche
Audio
Forsicht Freddy!
Fremde Federn
Bücher
Galerie
Links
Kontakt
Sitemap
Mitglied im
publizistischen
Netzwerk
Die Achse des Guten

Das Letzte

Achtung! Empfohlene Umleitung!

Bis jetzt habe ich mit Spezialisten gute Erfahrungen gemacht. Meine Autowerkstatt arbeitet prima, mein HNO-Arzt hat mir das Schnarchen abtrainiert, und meine polnischen Verwandten reparieren alles, das in meiner Wohnung repariert werden muss. Deswegen war ich froh, als ich eines Tages auf dem Hohenzollerndamm einen Spezialisten für USA-Reisen entdeckte.

Ich hatte gerade beschlossen, in die USA zu fliegen und brauchte noch ein Ticket: von Washington nach L.A. und von L.A. nach New York. Um mir lange Wege zu sparen, wollte ich unbedingt vom Stadtflughafen in D.C. losfliegen und in La Guardia ankommen.

»Kein Problem, machen wir«, sagte Frau Harzer vom USA-Spezialisten ATS am Hohenzollerndamm Ecke Pfalzburger Straße. Ich gab ihr meine Wunschtage an und bat sie, ein Ticket zu buchen, das umbuchbar wäre, falls sich in meiner Planung was ändern sollte. »Kein Problem, machen wir«, sagte Frau Harzer. Ein paar Tage später hatte ich ein Ticket zu einem erstaunlich günstigen Preis von weniger als 3oo.- Euro.

»Wie haben Sie denn das geschafft?« fragte ich Frau Harzer. »Kein Problem, wir sind doch USA-Spezialisten«, antwortete Frau Harzer.

Toller Laden, dachte ich, da werde ich jetzt öfter buchen, auch schwierige Strecken wie Berlin-Osnabrück.

Ein paar Tage später merkte ich, dass mir die gebuchten Tage doch nicht passten. Ich rief beim USA-Spezialisten an, Frau Harzer war gerade nicht da, eine Kollegin nahm sich des Falles an.»Kein Problem, machen wir.« Sie fand dann eine andere Verbindung, die ein wenig teurer war. Als ich das Ticket abholte, war Frau Harzer wieder da. Um die Sache nicht unnötig zu komplizieren, schlug sie vor, dass ich das neue Ticket bezahle und das Büro den Preis für das erste Ticket zurück überweist. »Kein Problem, machen wir«, sagte ich und flog los. Wochen später wieder in Berlin, hörte ich meinen Anrufbeantworter ab, und da war eine längere Ansage von Frau Harzer, die sich wortreich dafür entschuldigte, dass sie mir das Geld für das erste Ticket doch nicht überweisen konnte, es habe sich heraus gestellt, dass es nicht umbuchbar war und bei Stornierung verfiel. »Jetzt haben wir doch ein Problem«, dachte ich und schickte Frau Harzer eine mail: So ginge es nicht, sie könnte mich nicht für ihren Fehler zahlen lassen. So ginge es doch, fand Frau Harzer vom USA-Spezialisten ATS am Hohenzollerndamm Ecke Pfalzburger Straße und schrieb mir diese mail:

Sehr geehrter Herr Broder,

wir hoffen, Sie haben eine angenehme Reise gehabt. Zu Ihren Erstattungswünschen möchten wir wie folgt Stellung beziehen:

Zur Buchung der Flüge von Washington nach Los Angeles und zurück nach La Guardia waren Sie mehrfach in unserem Büro bei unterschiedlichen Kolleginnen. Insbesondere Frau Marcetti hatte Sie darauf hingewiesen, dass inneramerikanische Sondertarife nicht erstattbar sind, wie Sie es auch dem Flugschein entnehmen konnten: »nonrefundable, change fee may apply«. Aus diesem Grund hatten Sie sich nach der Reservierung auch noch eine Bedenk- und Überprüfungszeit für die Daten ausgebeten. Das Ticket von Delta Airlines wurde dann auf Ihren Wunsch am 19.April 2004 ausgestellt.

Am 26.April sollte Ihr Flugtermin sehr kurzfristig umgebucht werden.

Die Umbuchungsgebühr für diesen Flug lag bei USD 100,-, was Ihnen auch mitgeteilt wurde. Der günstigste verfügbare Tarif für die von Ihnen gewählte Strecke war zu diesem Zeitpunkt Eur 700,- (Ist nicht genau anzugeben, da zum jetzigen Zeitpunkt eine alte Buchung nicht mehr aufrufbar ist). Wir suchten für Sie noch nach Alternativen und fanden eine Verbindung mit Continental Airlines, die für Eur 453.67 verfügbar war. Das ergab jetzt, wenn man die Euro 258,- für den nicht erstattbaren Delta Flug hinzuzählt, einen Preis von Euro 701. Hätten wir hingegen den Delta-Flug umgebucht, wären Ihre Kosten ca. 700 Euro + 100 USD Umbuchungsgebühr gewesen. Sie sparten durch unsere - für Sie kostenlose aber zeitaufwendige Bemühungen - ca. 100 USD. Da Sie - soweit ich mich erinnere - am nächsten Tag bereits in die USA flogen, verlief auch unser letztes Gespräch etwas in Eile, und in dieser habe ich übersehen, dass ja die Delta Airlines-Verbindung nicht umgebucht, sondern storniert wurde. Weder sind Sie noch ich darüber gestolpert, dass Sie nun mit Continental Airlines gebucht waren.

Bitte berücksichtigen Sie bei Ihren Erwartungen, dass wir Sie nach bestem Wissen entsprechend Ihren Wünschen beraten haben. Es war eine relative zeitaufwendige Buchung. Die Provisionen für inneramerikanische Flüge sind marginal, und die Geschäftslage der Reisebüros erlaubt keine großzügige Kulanzen. Unsere Geschäftsleitung sieht sich im Hinblick auf unsere erbrachten Leistungen und den daraus resultierenden Ertrag außerstande, für einen Versprecher, der zu keiner Änderung Ihrer Entscheidung geführt hätte, in dieser Höhe einzustehen.

In der Hoffnung, dass Sie sich unseren Argumenten nicht verschließen verbleiben wir mit freundlichen Grüßen

Ines Haenelt-Harzer
ATS-Team

Das war echter Berliner Sportsgeist, wie er leibt und bleibt: Hamwa nich, machma nich, kennwa nich, wo kämen wir denn hin ...

Ich hatte am Ende nicht zwei Tickets gekauft und zusammen 8oo.- Euro bezahlt, nein, ich hatte dank der Mühen des USA-Spezialisten ATS 1oo.- Dollar gespart! Die Buchung war »zeitaufwendig« und die Provisionen sind »marginal«, auf so was ist ein Reisebüro nicht eingestellt. Und es war nur ein »Versprecher« in der Eile des Vorgangs.

Warum aber nennt sich der Laden am Hohenzollerndamm Spezialist für USA-Reisen? Warum steht nicht im Fenster: »Hier werden Sie geholfen, aber nur, wenn Sie viel Zeit und keine Sonderwünsche haben und wenn wir dabei ordentlich verdienen! Zeitaufwendige Buchungen können wir uns angesichts der Geschäftslage nicht leisten. Unsere Fehler gehen zu Ihren Lasten« Das wäre eine klare, ehrliche Aussage.

Jetzt mache ich es so: Wenn ich vom Westen her komme, biege ich schon vor der Pfalzburger Straße rechts in die Güntzelstraße ab, dann links in die Uhlandstraße und wieder rechts auf den Hohenzollerndamm. Vom Osten biege ich in die Uhlandstraße rechts ab, fahre bis zur Düsseldorfer, dann links in die Sächsische und wieder rechts auf den Hohenzollerndamm. So umfahre ich den Spezialisten für USA-Reisen weiträumig und komme nie wieder in Versuchung, bei Frau Harzer einen Flug zu buchen.

HMB, Bln, 22.7.2oo4

Druckversion | Nächste Seite  
Copyright © 2004 Henryk M. Broder - Seite wurde zuletzt aktualisiert am 28.07.2004
Webdesign von patfisch.de

versteckter Layer