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Alles Roger!
Kein Mensch kann sich seine Verehrer aussuchen, aber
langsam macht es mich stutzig, dass Roger Willemsen
hinter mir herjagt wie ein Rentner nach
Sonderangeboten bei Aldi. Es ist mir schon deswegen
peinlich, weil mich Nachfragen erreichen, ob das Ganze
vielleicht ein abgekartetes Spiel sein könnte, nach
dem Motto: Eins rein, zwei zurück. Letzte Woche hat
er in der "Woche" mich und Reinhard Mohr abgemahnt. Es
sei "schwierig" innerhalb Deutschlands zu denken,
"denn Feuilleton-Landser wie Henryk M. Broder und
Reinhard Mohr kontaminieren die Publizistik"; man
merkt es dem Satz an, dass Roger mal eine Ausbildung
zum Kammerjäger durchgemacht haben muss, bevor er sich
entschloss, doch lieber Kolumnist zu werden, weil der
Job als Reichskulturwart nicht mehr zu haben ist.
Jetzt achtet er in eigener Verantwortung darauf, dass
die publizistischen Umweltverschmutzer namhaft gemacht
werden. Leider sagt er nicht, was mit den Kontaminateuren
passieren soll. Bleibt es bei einer Verwarnung oder kommt
er gleich mit einer DDT-Spritze angelaufen? Werden
Mohr und ich dazu verurteilt, jeden Tag Willemsen
zu sehen und lesen, bis unser Wille gebrochen ist
und wir darum betteln, zur Bewährung an die
afghanisch-pakistanische Grenze geschickt zu werden?
Wer Willemsen neulich bei Biolek erlebt hat,
wo er darüber räsonnierte, wie er bei den Bildern des
Anschlags auf das World Trade Center "ein subtiles,
nein sublimes Behagen" empfand, weil ihm plötzlich
irgendwas klar wurde, der weiß, wozu ein sprachloser
Schwätzer imstande ist, der sich dem deutschen
Humanismus der anderen Art verpflichtet fühlt und auch
bei ein paar Toten nicht schwächelt. Wie müsste die
"richtige demokratische Antwort auf die Attentate"
aussehen, fragt Willemsen in der "Woche". Und gibt
gleich die korrekte Antwort. Es müsste eine "Position"
sein, "die man den Toten schuldet" und die "die
Betrachtung der eigenen Schuld mit einer Reflexion
veränderter eigener Praxis verbindet."
Schade ist nur, dass wir die 5.ooo Toten von Manhattan
nicht mehr dazu aufrufen können, über ihre eigene
Schuld nachzudenken und ihre Praxis entsprechend zu
verändern. Aber Mohr und ich werden uns den Rat zu
Herzen nehmen und darüber reflektieren, womit wir uns
so schuldig gemacht haben, dass Willemsen als Strafe
über uns gekommen ist. Von nichts kommt nichts, gewiss,
aber eine Strafe darf nicht unnötig grausam sein. Wir
Feuilleton-Landser sind auch Menschen. Auch wenn wir
nicht so sublim oder subtil auftreten wie ein
sensibler Schreibtischtäter in der deutschen Etappe.
HMB, 14.1o.2oo1
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