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Beni Frenkel Einerseits - andererseits Ich habe 10 Franken für die Opfer der Flutwelle gespendet. 10 Franken sind etwa 7 Euro und kein großer Betrag. In einer Radiosendung habe ich von Kindern gehört, die ihr ganzes Geld nach Thailand geschickt haben. 50 Franken und noch mehr. Ihre Eltern haben dann den Betrag verdoppelt oder verdreifacht. Oder der Metzgermeister: der spendet 1 Franken für jede verkaufte Wurst. Die ältere Frau: verzichtet auf das Mittagessen und gibt die 28,50 Fr. der Glückskette. Und dann noch das kleine Elektronikgeschäft: 5% des Tagesumsatzes gehen nach Südasien. Die Schweiz versinkt in der Spendensucht. Auf der Strasse verkaufen Kinder Vogelfutter für zwei Franken und Kuchenstücke für drei Franken. So betrachtet sind meine 10 Franken nicht der Oberknüller. Das reicht gerade für fünf mal Vogelfutter oder dreimal Kuchenstücke. Wahrscheinlich bin ich geizig. Wenn Carmen Fenk, Myrto und Kisha (Schweizer Sängerinnen) sagen: »Wir singen für die Opfer«, sage ich »ich muss das nicht hören« und schalte den Fernseher ab. Wegen mir beträgt die Zuschauerquote dann nur 99,9999%. Aber eigentlich ist mir das egal. Langsam nervt mich dieser Tsunami-Betroffenheitswettbewerb. Als am 11.9.2001 Tausende von Amerikaner starben, war die Reaktion vieler Europäer ziemlich the opposite von dem was momentan abläuft. Damals hätte niemand für jedes Kilogramm Übergewicht 100 Franken an die Opfer überwiesen. Und kein Schweizer Postmanager wäre vor die Kameras getreten und stolz verkündet, er würde 1 Million Franken, zwar nicht von seinem Geld, aber zumindest vom Firmenkapital spenden... »Geld stinkt nicht«. Hauptsache, den Opfern wird geholfen. Stimmt. Und doch wird mir langsam übel vor diesen unendlich vielen ernsten Gesichtern, die entweder gleich zu heulen beginnen oder eine Predigt halten wollen. Lustig wird es nur dann, wenn jemand beides zu kombinieren versucht. Wenn zum Beispiel der Moderator der Volksmusiksendung zuerst über die Opfer trauert (Beifall), dann die Frage über Sinn und Zweck der Samstagabendshow aufstellt (Schweigen im Saal) und zum Schluss über seltsame Gedankengänge die Notwendigkeit der Sendung erläutert (tobender Beifall). In diesen Momenten begreift man ein wenig die Psyche der Trauernden. Einerseits jammern, andererseits Spaß haben. Einerseits Geld spenden, andererseits weiterhin nach Phuket reisen (»damit helfe ich den Menschen am meisten«). Einerseits auf den Nachtisch verzichten (10,50 Fr.), andererseits die Putzfrau aus Thailand weiterhin schwarz beschäftigen. Einerseits - andererseits. ...des Europäers verzwicktes Problem.
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