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Das Letzte Die grausamen Folgen des Konsums von Kröver Nacktarsch auf die Wahrnehmung und die Berichterstattung Nachdem sich der nach Martin Walser und Peter Sloterdijk bedeutendste deutsche Denker, Christian Anders, mit seinen Äußerungen zu Bush und Hitler und den »Illuminati« dick und fett in die Nesseln gesetzt hatte, kam ihm die Koblenzer »Rheinzeitung« zu Hilfe. Als einzige der meinungsbildenen großen Tageszeitungen stellte sie Anders einen Persilschein aus. »Leicht bizarr« sei er schon, ein »Illusionär«, der »schon mal über sein Ziel hinausschießt«, aber auf keinen Fall ein Antisemit. Denn, so Anders über Anders in der RZ: »Ich bin mit einer Jüdin verheiratet.« Bingo! Goebbels kann kein Antisemit gewesen sein, denn er hatte mal eine jüdische Geliebte und Onkel Adolf soll sogar einen jüdischen Opa gehabt haben. Und als in Südafrika noch die Apartheid regierte und intime Kontakte zwischen Weißen und Schwarzen verboten waren, da fuhren die Weißen zum Reinstecken rüber nach Zimbabwe. Auch die könnten sich heute darauf berufen, dass sie nix gegen Schwarze hatten, wenn diese nur billig und willig waren. Nun gut, die Rheinische Zeitung erscheint in Koblenz, und wer mit Kröver Nacktarsch aufgewachsen ist, der ekelt sich nicht mal vor Christian Anders. Etwas weiter im Text war dann die Rede von einem »Spiegel-Autor jüdischer Abstammung«, der über Anders geschrieben und dessen Absturz verursacht hatte. Da es nicht alle Tage vorkommt, dass die »Abstammung« eines Autors thematisiert wird, wollte ich gerne wissen, wer gemeint war und ob in Koblenz die Nürnberger Gesetze vielleicht noch immer in Kraft sind.
Hier der Text aus der Rheinzeitung Koblenz vom 12.3. und der anschließende Briefwechsel mit dem Redaktionsleiter Peter Burger: Anders denkt anders als andere Der Sänger hat seine ganz eigenen Vorstellungen: Mit dem Bush-Hitler-Vergleich handelte sich der »Burgkönig« Ärger ein Er stellt die Evolutionstheorie in Frage und wittert hinter der Flutkatastrophe in Südostasien heimliche US-Atomtests: Der Gedankenzug von Christian Anders fährt längst nicht mehr ins Nirgendwo. Auf seiner Homepage philosophiert der Schlagersänger mit Wohnort Bendorf über Gott und die Welt. Leicht bizarr, meist harmlos, bisweilen aber auch hoch explosiv. Jüngstes Beispiel: Ein Bush-Hitler Vergleich, der Anders nun um seinen Auftritt bei der SRW-4-Schlagerparty in Weißenthurm gebracht hat. Für eine Vereinigung der Weltreligionen tritt der Sänger, Autor und Weltverbesserer Christian Anders ein. Ob er deshalb nach Bendorf gezogen ist, wo die St.-Medard-Kirche die Katholiken und Protestanten unter einem Dach zusammenbringt? BENDORF. Die blonde Mähne zum Pferdeschwanz zusammengebunden, schlürft Christian Anders in einem Bendorfer Cafè an seinem Cappuccino. Der »Zug nach Nirgendwo« ist also endlich angekommen. Seit einigen Jahren hat der in die Jahre gekommene Schlagersänger seine Zelte in der beschaulichen Rheinstadt aufgeschlagen. In seiner Wohnung in der Bendorfer Innenstadt sitzt er dann auch bisweilen am Computer, verfasst die Kolumnen für die eigenen Homepage www.christiananders.de, auf der sich auch die Inkarnation des Sängers zu einem leicht bizarren Missionar mit Weltverbesserungsambitionen offenbart. »Darwin irrt!« heißt es da unter anderem. Denn für Christian Anders ist es ganz klar, dass der Affe vom Mensch abstammt — und nicht umgekehrt. Als »literarischer Rebell« fordert er eine neue Weltwährung — nach einem globalen Schuldenerlass —, sagt schon einmal den nächsten Papst voraus und erklärt ganz offen, dass er die Anschläge auf das World Trade Center schon lange vor dem Flugzeugattentat vorhergesagt hat. Die Wurzel allen weltlichen Übels fasst der Mann mit dem blonden Pferdeschwanz, der jüngst zum ProSieben-Burgkönig gekürt wurde, kurz im Konflikt der Religionen und der Macht des schnöden Mammons zusammen. Nicht jeder mag sich dieser Gedankenwelt anschließen. Richtig gefährlich klingen die Visionen des Bendorfer Barden aber nicht. Eher wie Träume eines Illusionärs, der glaubt, der sich vielleicht dazu auserkoren fühlt, die Welt retten zu müssen. Und dabei — emotionsgeladen und unbedacht — auch schon einmal über sein Ziel hinausschießt. So geschehen in den jüngsten Ergüssen, die Christian Anders zunächst in den Sinn, dann in die Feder und kurze Zeit später auf seine Seiten flossen. Bush (sein Feindbild Nr. 1) unterzog er einem Vergleich mit Hitler. Anders_ Pech: Ein (für seine nicht selten minder derben Vergleiche bekannter) Spiegel-Autor jüdischer Abstammung stieß auf dieses Zitat und verfasste seinerseits eine Kolumne. Mit dem Resultat, dass Christian Anders am Samstag nicht bei der SWR-4-Schlagerparty in Weißenthurm auftreten darf und auch ProSieben seine Gala zum RedNose-Day nunmehr ohne den Schlagerstar der 70er Jahre geplant hat. Doch ist Anders tatsächlich ein Antisemit? Ist er größenwahnsinnig? Ein rechter Propagandist? »Mein Opa war Jude. Wir sind vor den Nazis nach Italien geflohen. Meine Frau ist Jüdin. Ich und ein Antisemit? Das ist absolut lächerlich. Ich liebe alle Menschen. Aber ich behalte mir auch Kritik an allen Menschen vor«, sagt der gebürtige Österreicher selbstbewusst. Und wer mit Anders dann näher ins Gespräch kommt, glaubt ihm das gern. Seine Verschwörungstheorien, die er den Weltbanken, den Amis, der Politik andichtet, mögen wirklich abstrus klingen, eine Affinität zum braunen Neo-Nazi-Sumpf verbergen sie sicher nicht. Und ganz schnell hat sich Anders so auch wieder von seinem Hitler-Vergleich distanziert: »Das war natürlich in der Form extrem und auch überspitzt. Selbst wenn Bush ein schlimmerer Finger ist, als es sich die Welt vorstellen kann.« (agh)
Sehr geehrter Herr Burger, in einem Beitrag über den Sänger und Weltverbesserer Christian Anders in der RZ vom 12.3. ist u.a. die Rede von einem »Spiegel-Autor jüdischer Abstammung«, der über Anders geschrieben hat. Nun weiß ich nicht, ob es zum Informationsauftrag einer Zeitung gehört, die Leser über die »Abstammung« von Personen zu informieren, die irgendwas gesagt oder getan haben, es könnte ja sein, dass zumindest in Koblenz die Nürnberger Gesetze noch gelten. Jedenfalls wüsste ich gerne, ob es sich um einen »Volljuden«, »Halbjuden« oder nur »Vierteljuden« handelt. Und ob sie bei Personen »christlicher Abstammung« diese Information ebenfalls übermitteln. Mit Dank für ihre Mühe und besten Grüßen
Herr Broder, Urlaubs bedingt antworte ich Ihnen erst heute. Ihre Ansicht, wir hätten uns hinter Christian Anders gestellt, kann ich überhaupt nicht teilen. Unsere Mitarbeiterin hat — wie dies bei uns journalistisch üblich ist — sehr differenziert über diesen Zeitgenossen berichtet und sich dabei nicht etwa von verblendeter Ideologie leiten lassen. Auf Ihre weiteren zynischen Unterstellungen und Einlassungen werde ich nicht weiter eingehen.
Peter Burger
Sehr geehrter Herr Burger, ich hoffe, sie hatten eine erholsamen Urlaub beim Ballermann und inzwischen Gelegenheit, sich daheim wieder an die minimalsten Umgangsformen zu gewöhnen, wozu auch die üblichen Anreden und Grußformeln gehören. Was ihre Antwort auf meine Anfrage angeht, kann ich nur sagen: Gut lesen können sie schlecht, aber schlecht schreiben können sie prima. Sie bleiben die Antworten auf meine Fragen schuldig und beantworten statt dessen Fragen, die ich nicht gestellt habe. Und was ihre Berichterstattung über Anders angeht: Die war so »differenziert«, dass er den Artikel ihrer Mitarbeiterin gleich auf seine Homepage gestellt hat — neben den antisemitischen und sonstigen Dreck, den er so fleißig verbreitet. Da ihnen nicht einmal das zu denken gibt, erlauben sie mir, ihnen in aller Verbundenheit eine abschließende Frage zu stellen: Wann nehmen sie wieder »Urlaubs bedingt« eine Auszeit? Mit vielen herzlichen Grüßen aus dem Café Tamar in Tel Aviv
Copyright © 2005 Henryk M. Broder
Quelle: http://www.henryk-broder.de/tagebuch/nacktarsch.html |
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