
|
Das Letzte Ein Wixer vor dem Herrn Wir haben es mal wieder mit der alten Frage zu tun, woran man einen Antisemiten erkennt. Es will ja niemand ein Antisemit sein, so wie niemand ein Vergewaltiger, Kinderschänder oder Tierquäler sein will, die es dennoch reichlich gibt. Ein sicheres Zeichen ist: Der Antisemit klebt an dem Juden wie ein Stück Hundescheiße an der Schuhsohle. Er will immer ganz nah an den Juden ran und kann nicht genug von ihm bekommen. Manche Antisemiten legen sich sogar eine jüdische Scheinidentität zu, fangen an zu "jiddeln" oder Leserbriefe unter jüdischen Namen zu schreiben. Andere konvertieren gleich zum Judentum. Bis vor kurzem war der klassische Proto-Antisemit damit beschäftigt zu beweisen, dass es den Holocaust nicht gegeben hat, inzwischen ist er vom Holocaust fasziniert. Schon weil er ihn als Argument dafür braucht, dass die Israelis den Palästinensern dasselbe antun, was die Nazis den Juden angetan haben. Die Frage Ja, haben denn die Juden im Gegensatz zu uns nix aus ihrer Geschichte gelernt? könnte nicht gestellt werden, wenn sie nicht im Holocaust begründet wäre. Die Tatsache, dass die Deutschen seit inzwischen 61 Jahren keine Juden mehr verfolgen, also aus der Geschichte gelernt haben, während die Juden/Zionisten seit mindestens 58 Jahren auf die Palästinenser drauf hauen, also aus der Geschichte nicht gelernt haben, konstituiert ein moralisches Gefälle zugunsten der Deutschen. Oder wie es Wolfgang Pohrt mal gesagt hat: Die Deutschen haben es sich zur Aufgabe gemacht, darauf aufzupassen, dass ihre Opfer nicht rückfällig werden. Ein besonders ekelhafter Vertreter dieser Spezies von Bewährungshelfern, einer, der ebenso verwahrlost schreibt wie er aussieht, hat es sich zur Pflicht gemacht, mich ungefragt und ungebeten über seine Aktivitäten zu informieren, von denen ich nix wissen will. Er betreibt eine "Tag-für-Tag-Chronologie des Holocaust", die so überflüssig ist, wie es schon der Holocaust war, und sucht nicht nur nach Sponsoren für sein Hobby, sondern nach wenigstens einem Juden, der das Projekt für koscher erklärt. Bis jetzt hat sich noch keiner bereit erklärt. Zuspruch bekommt er nur aus dem Milieu, das den Holocaust der Nazis verdammt, um bei dem Holocaust, den Ahmadinejad plant, mit gutem gewissen mitwirken zu können. Die tägliche Beschäftigung mit dem Holocaust hindert unseren Chronisten nicht daran, gelegentlich das antisemitische Schwein von der Leine zu lassen. Auf einen Text von mir, der nichts mit Juden, nichts mit Antisemitismus, nichts mit dem Holocaust und auch nichts mit ihm zu tun hatte, schickte er mir eine seltsame Mail: Lese eben Spiegel Online. Sehe, dass ich Ihnen Unrecht getan habe. Sie wollen nicht das Abendland retten, sondern den deutschen Schweinebraten und die deutsche Vorhaut. Wohl bekomms. Seltsam, nicht wahr, wie das antisemitische Spatzenhirn funktioniert und welche Assoziationen es herstellt. Denn der Antisemit möchte nicht nur wissen, was der Jude auf dem Konto und im Kopf hat, viel mehr interessiert es ihn, wie es in seiner Hose aussieht. Das ist es, was ihn umtreibt, alles andere ist Alibi und Beiwerk. Noch am selben Tag hatte er einen weiteren wertvollen Hinweis für mich parat. Das könnte Sie interessieren: http://www.wichs-center.de/forum/thread.php?goto=nextoldest&threadid=423 Das ist vermutlich die Seite, die er zum Aufwärmen besucht, bevor er dann bei den toten Juden und der Chronologie des Holocaust voll in die Gänge kommt. Ein Wixer vor dem Herrn, der dem alles recht ist, was ihn nur aufgeilt.
Copyright © 2005 Henryk M. Broder
Quelle: http://www.henryk-broder.de/tagebuch/wixer.html |
|
|
Artikelübersicht |
|
Das Blog | Tagebuch | Schmock der Woche | Foto des Tages | Forsicht Freddy! | Fremde Federn | Audio | Bücher | Galerie | Links | Kontakt | Impressum | Sitemap · Letzte Aktualisierung: 13.1.2007 · Copyright © 2005 Henryk M. Broder · Diese Seite ist optimiert für die aktuellen Versionen von Internet Explorer, Netscape oder Firefox · Empfohlene Bildschirmauflösung 1024x768 Pixel